Hamas: Rechte Israelis unterstützten die Gründung, um Palästinenser zu spalten, PLO zu schwächen

„Radikalislamische Hamas“ – „Militante Palästinenser“ – diese Worthülsen sind uns im letzten Krieg zwischen Israel und der Hamas nur so um die Ohren geflogen. Sie suggerieren, dass nur von einer Seite Gewalt ausgeübt wurde – nämlich von irgendwie stets „militanten“ Palästinensern. Weitgehend unerwähnt blieb eine andere Gewalt – nämlich die seit 1967 andauernde israelische Herrschaft über die Palästinenser im Westjordanland, in Gaza und in Ost-Jerusalem. Denn Besatzung ist Gewalt – Gewalt über Menschen, über ihr tägliches Leben, über die Zukunft der jungen Generation. Wer etwa im Westjordanland lebt, kann nie sicher sein, wann und wo er an einem der zahlreichen israelischen Kontrollposten aufgehalten und kontrolliert wird. Dass solche Gewalt Gegengewalt erzeugt, sollte eigentlich niemanden mehr wundern.



Hamas und die leeren Schlagworte

Von Heiko Flottau, 28.05.2021

„Radikalislamische Hamas“? Die Gründer der Widerstandsgruppe hatten einen Geburtshelfer – Israel.

Sprache kann Tatbestände verhüllen – dann, wenn Schlagworte ohne Erklärung bleiben. Sie kann auch etwas über die Urheber aussagen – etwa über Reporter und politische Analysten – dann nämlich, wenn diese gedankenlos immer wieder dieselben Floskeln benutzen. Auch Besatzung ist Gewalt „Radikalislamische Hamas“ – „Militante Palästinenser“ – diese Worthülsen sind uns im letzten Krieg zwischen Israel und der Hamas nur so um die Ohren geflogen. Sie suggerieren, dass nur von einer Seite Gewalt ausgeübt wurde – nämlich von irgendwie stets „militanten“ Palästinensern. Weitgehend unerwähnt blieb eine andere Gewalt – nämlich die seit 1967 andauernde israelische Herrschaft über die Palästinenser im Westjordanland, in Gaza und in Ost-Jerusalem. Denn Besatzung ist Gewalt – Gewalt über Menschen, über ihr tägliches Leben, über die Zukunft der jungen Generation. Wer etwa im Westjordanland lebt, kann nie sicher sein, wann und wo er an einem der zahlreichen israelischen Kontrollposten aufgehalten und kontrolliert wird. Dass solche Gewalt Gegengewalt erzeugt, sollte eigentlich niemanden mehr wundern.

Der Feind meines Feindes Zur Geschichte und damit zur Erklärung: Als die Hamas (die Abkürzung bedeutet „Islamische Widerstandsbewegung“) im Jahr 1987 zu Beginn der ersten palästinensischen Intifada gegründet wurde, sah Israel in dieser neuen Gruppe eine Chance: nämlich einen palästinensischen Feind – die „Palästinensische Befreiungsorganisation“ (PLO) unter Jassir Arafat – gegen den neuen Feind – die Hamas – auszuspielen und somit den palästinensischen Widerstand zu schwächen. Der britische Journalist Mehdi Hassan (er arbeitete u. a. für die BBC und für Al Jazeera) sagte kürzlich in einem Interview mit dem amerikanischen Internetportal „The Intercept“ (u. a. gegründet von Glenn Greenwald), besonders rechtsgerichtete Israelis hätten durch die Unterstützung der neuen Hamas die PLO Arafats schwächen wollen. „Israelische Führer dachten, sie könnten die besetzten Palästinenser teilen und (somit) beherrschen, sie gegeneinander ausspielen, säkulare Nationalisten gegen religiöse Islamisten.“ (Der Autor dieser Zeilen hat die palästinensischen Gebiete mehrfach bereist und kann die Aussage Mehdi Hassans bestätigen.) mehr auf.

https://www.journal21.ch/hamas-und-die-leeren-schlagworte

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