Globale NichtUmweltpolitik trifft Italiener: Wir erleben hier eine Katastrophe biblischen Ausmaßes

Bei der Messstation von Pontelagoscuro, einige Kilometer oberhalb des Po-Deltas, flossen am Mittwoch noch 160 Kubikmeter pro Sekunde in Richtung Adria. Normal wären in dieser Jahreszeit 1500 bis 2000 Kubikmeter – der Po ist zu einem Rinnsal verkümmert. Weil der Pegel des Flusses tiefer liegt als der Meeresspiegel, fließt Salzwasser aus der Adria im Flussbett inzwischen mehr als zwanzig Kilometer ins Landesinnere und dringt in die Felder und in das Grundwasser ein.


Die Folge davon schildert Giancarlo Mantovani, Direktor des Unterhalts-Konsortiums des Po-Deltas: „Im Umkreis von 200 Metern des Flusslaufs wächst nichts mehr; die Erde ist zur Wüste geworden.“ Wegen des Einsickerns von Salzwasser ins Grundwasser sei es nur eine Frage der Zeit, „bis aus den Wasserhähnen Salzwasser fließt“.

Nicht besser sieht es im oberen Flusslauf aus, im Piemont. „Glauben sie mir, ich übertreibe nicht: Wir erleben hier eine Katastrophe biblischen Ausmaßes“, sagt der Landwirt Giuseppe Casalone, dessen Betrieb einige Kilometer südlich von Novara liegt. Der größte Teil seiner Pflanzen ist so vertrocknet, dass nun auch Regen nicht mehr helfen würde: Die Jungpflanzen sind bereits abgestorben. Und der Sommer hat gerade erst begonnen – die trockensten und heißesten Monate des Jahres, der Juli und der August, stehen noch bevor.


Laut dem italienischen Bauernverband Coldiretti betragen die Ernteausfälle bei den frühen Getreidesorten bereits heute rund 30 Prozent. Bei den Früchten und Gemüsen rechnet der Verband mit einem Ausfall von 40 Prozent.

Am meisten leiden die Reisbauern: „Wenn es nicht sehr bald regnet, gibt es ein Desaster“, betont Paolo Carrà, Präsident der Reisproduzenten von Novara, Biella und Vercelli im Piemont. In dieser Jahreszeit müssten die Reisfelder eigentlich geflutet werden, was angesichts des dramatischen Tiefstands der Flüsse derzeit kaum noch möglich sei.

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