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Wie wir die imperiale Lebensweise überwinden + die sozial-ökologische Transformation umsetzen können

Aktualisiert: 6. Sept. 2023

Von 1990 bis 2019 hat sich die weltweite Wirtschaftsleistung, also das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) vervierfacht, doch weiter sind Hunderte Millionen Menschen von Hunger und Elend betroffen. So konstatiert der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen in seinem Resümee des Jahresberichts 2020. Es habe kaum Fortschritte im Kampf gegen die globale Armut gegeben. Eine weltweit anwachsende Verarmung gegenüber der fortschreitenden Existenz abgeriegelter Wohlstandsinseln. Im freien Fall hingegen befanden sich die Unternehmenssteuersätze, wenn hier ein Rückgang von über 40 Prozent im Jahr 1980 auf 24,4 Prozent im Jahr 2019 zu verzeichnen ist. Nur 3,3 Prozent des weltweiten Bruttoinlandprodukts (BIP) wären im Jahr 2013 nötig gewesen, “um alle Armen über eine menschenwürdige Armutsgrenze von 7,40 Euro pro Tag zu heben.“


Deutschlandfunk-Kultur, 19.11.2022:

Von globalen Fragen bis globaler Welt, globaler Zukunft und globalem Untergang drängt sich das Unbewältigbare auf, eine monströse Aufgabe, so will es scheinen, von Fachleuten und alternativen Nobelpreisträgerinnen besprochen, von politischen Giganten unbewältigt und gleichzeitig beschworen.


Wenige profitieren, viele gehen leer aus

Eine „sozial-ökonomische Transformation“, das klingt so fundamental wie den Gegensatz von Kapital und Arbeit abschaffen. Und eigentlich ist diese Transformation auch dermaßen fundamental gemeint. Der Autor, Alexander Behr, geht von einer Bestandsanalyse aus, in deren Kern das System des Wirtschaftens heute davon gekennzeichnet ist, dass “wenige profitieren“ und “viele leer ausgehen“. Dass ein dem System immanenter Zwang herrsche, beständig Wachstum und Expansion zu generieren, eine systemgegebene Determinante, die notwendigerweise zu Rücksichtslosigkeit auch an den natürlichen Ressourcen führe, zur Zerstörung der Natur und zur Klimakatastrophe.


Die Fortexistenz der privaten Aneignung des gesellschaftlichen Reichtums, sagt Behr, hat in den letzten Jahrzehnten zur Herausbildung der Gegenpole geführt: Eine weltweit anwachsende Verarmung gegenüber der fortschreitenden Existenz abgeriegelter Wohlstandsinseln.

Keinerlei Abmilderungen


Der Schweizer, Jean Ziegler, Soziologe und Mentor Alexander Behrs, kommt zu Wort: Er zieht ein niederschmetterndes Fazit seiner Tätigkeit für das Welternährungsprogramm WFP: “Ich kenne die Pledging-Konferenzen in- und auswendig. Die Verantwortlichen des World Food Program erklären und verkünden, welche Hilfeleistungen in welchen Ländern gebraucht werden. Die Industriestaaten sagen dann, wie viel sie geben wollen.“ Jean Ziegler

Für die Zeit von März bis September 2017 zum Beispiel waren vier Milliarden US-Dollar gefordert worden. Ziegler darüber, was tatsächlich zur Verfügung gestellt wurde: „Insgesamt 262 Millionen US-Dollar. Das Todesurteil für Millionen von Menschen ist also am 23. März gefallen.“


Die Konzentration von Vermögen

Unter Bezugnahme auf den World Inequality Report 2018, den eine Gruppe rund um den Ökonomen Thomas Piketty erstellte, fasst der Autor zusammen: Am meisten haben diejenigen profitiert, die schon reich waren. Auch nach dem Oxfam-Bericht lässt sich eine Steigerung des Vermögens von Milliardärinnen und Milliardären nachzeichnen, das zwischen 2007 und 2019 um 20 Prozent anstieg. Die Rede ist hier von Deutschland. Damit liegen die Milliardärinnen und Milliardäre in Deutschland rund acht Prozent über dem weltweiten Durchschnitt des Vermögenszuwachses aller Milliardärinnen und Milliardäre:

„Das reichste Zehntel der deutschen Gesellschaft besitzt allein zwei Drittel des gesamtgesellschaftlichen Reichtums. "


Alexander Behr nennt seine Bestandsaufnahme „Vielfachkrise“. Und mit Verweis auf Ulrich Brand und andere: verursacht durch die „imperiale Lebensweise“. Stattdessen versteht sich der Autor als Fürsprecher des solidarischen Teilens beziehungsweise einer solidarischen Arbeitsteilung und staatenunabhängiger sozialer Bewegungen.

Eine neue Internationale?

Dies sei erforderlich, ein sich solidarisch mit den antikolonialen Bewegungen verbindender Zusammenschluss, verstanden als eine globalisierungskritische Bewegung, deren Inhalt es sei, auch Krisen emanzipatorisch zu bewältigen. Mit dem Philosophen Axel Honneth gesprochen könne das bedeuten, “die individuelle Freiheit nicht als eine private Interessenverfolgung verstehen, sondern als ein solidarisches Sich-Ergänzen“.

Die deutsche Aktivistin und freiwillige Seenotretterin Carola Rackete hat einen Kommentar zum Buch von Alexander Behr geschrieben.© picture alliance / KEYSTONE / URS FLUEELER

Zutreffend kommentierte Carola Rackete, die Kapitänin, die sich im Jahr 2019 einem Verbot Italiens widersetzte und mit 53 aus Seenot Geretteten den Hafen von Lampedusa anlief, das Buch mit den Worten, es vermittele die Ideen der sozial-ökologischen Transformation, ohne sich nur auf Theorie zu beschränken.

Viele praktische Beispiele zeigen, wie globale Solidarität bereits gelebt wird, und ermutigen dazu, selbst aktiv zu werden. Carola Rackete

Resümierend kann man sagen: Ökologie und soziale Gerechtigkeit global zusammendenken und -leben sind die Botschaften dieses Buches.


Globale Solidarität

Wie wir die imperiale Lebensweise überwinden und die sozial-ökologische Transformation umsetzen

ISBN: 978-3-96238-370-1 Softcover, 280 Seiten Erscheinungstermin: 04.10.2022

»Alexander Behr verbindet eine hohe analytische Kompetenz mit seiner reichen persönlichen Erfahrung als Aktivist der europäischen Zivilgesellschaft. Sein Buch ist eine unverzichtbare Waffe im revolutionären Kampf zur Rettung unseres Planeten.« Jean Ziegler »Dieses Buch vermittelt die Ideen der sozialökologischen Transformation, ohne sich nur auf Theorie zu beschränken. Viele praktische Beispiele zeigen, wie globale Solidarität bereits gelebt wird, und ermutigen dazu, selbst aktiv zu werden.« Carola Rackete Was Solidarität zu leisten vermag, hat die Naturkatastrophe an Ahr und Rur gezeigt. Doch funktioniert sie auch im Großen - zwischen globalisierten Warenströmen und lokalen Gesetzgebungen und ohne dass ihr der herablassende Beigeschmack des Karitativen anhaftet? Dieses Buch lotet die Bedingungen für echte Solidarität aus und propagiert die Abkehr von unserer imperialen Lebensweise. Dabei wirft Alexander Behr einen Blick in die Vergangenheit, stellt erfolgreiche Kampagnen der Solidarität vor und erörtert ihr Potenzial zur Überwindung gesellschaftlicher, ökologischer und ökonomischer Krisen.



Ich glaube, der Motor der Geschichte sind die sozialen Bewegungen. Es geht nicht darum, über das richtige Einkaufsverhalten die Welt zu retten.






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