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Die Türkei baut ihren Einfluss aus – zwischen Nato, Russland und China verfolgt sie ihre eigene Macht-Strategie. Politisch,militärisch, wirtschaftlich&kosmisch arbeitet sie daran, Großmacht zu werden.

vor 42 Minuten
2 Min. Lesezeit

Ostdeutsche Allgemeine Zeitung, Auszüge: Ankara verfolgt seit Jahren ein Ziel: mehr strategische Autonomie. Die Türkei will sich weder vollständig dem westlichen Machtzentrum unterordnen noch in einen entstehenden eurasischen Block einreihen. Sie will selbst bestimmen, mit wem sie kooperiert, wo sie interveniert und welche Interessen sie verfolgt.

Europa hat lange versucht, die Türkei einzuordnen. Ist sie Teil des Westens? Eine Regionalmacht? Ein Nato-Partner? Oder doch ein Staat, der sich zunehmend Moskau und Peking zuwendet? Die Antwort lautet: ein bisschen von allem. Deshalb wird die Türkei zu einem Machtfaktor von Weltrang, den Deutschland nicht mehr ignorieren kann.

Bislang fehlen der Türkei die materiellen Voraussetzungen einer Großmacht, die das internationale System aus eigener Kraft strukturieren könnte. Doch das Land arbeitet daran: politisch, militärisch, wirtschaftlich und sogar kosmisch.

Zwischen allen Stühlen und gerade deshalb mächtig

Der Kauf des russischen S-400-Luftabwehrsystems wurde zum Symbol der neuen türkischen Selbstbehauptung. Ankara nahm dafür sogar einen Konflikt mit den USA in Kauf, obwohl das Land kein Interesse hat, die Nato zu verlassen. Gleichzeitig hält es enge Kontakte zu Moskau, baut Beziehungen zu China aus und verfolgt in Syrien, im Kaukasus, im östlichen Mittelmeer und in Afrika eigene Interessen.

Die türkische Führung versucht, aus ihren unterschiedlichen Beziehungen politischen Handlungsspielraum zu gewinnen. Mit Russland kooperiert sie, obwohl beide Staaten in Syrien und anderen Fragen konkurrieren. Gegenüber China sucht sie wirtschaftliche und politische Möglichkeiten, ohne sich Peking unterzuordnen. Ohnehin spielt die Lage zwischen Europa, Zentralasien und dem Nahen Osten Ankara in die Karten.


Machtfaktor Turkstaaten

Die Türkei setzt in Zentralasien zunehmend auf Kultur, Geschichte und Sprache als Instrumente politischer Einflussnahme. Über Stipendien, Universitäten, Sprachprogramme und Kulturinstitutionen fördert Ankara die Verbindung zu den turksprachigen Gesellschaften der Region. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Organisation der Turkstaaten (OTS), in der die Türkei gemeinsam mit Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisistan und Usbekistan die politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit vorantreibt. Auch Minderheiten in Russland, China und Europa gehören dazu.

Gemeinsame Projekte in den Bereichen Bildung, Medien, Sprache und Geschichte sollen ein Bewusstsein für eine gemeinsame Identität stärken. Für Ankara ist diese „Soft Power“ mehr als Kulturpolitik. Sie schafft langfristige Bindungen und soll die Türkei als führende politische und kulturelle Kraft innerhalb der turksprachigen Welt positionieren.


Ist die Türkei schon Weltmacht?

Wer allerdings die Türkei zur neuen Supermacht erklärt, überschätzt ihre Fähigkeiten – wer sie lediglich als Regionalmacht abtut, unterschätzt sie, meint Türkei-Experte Tziarras. „Es besteht noch eine anhaltende Lücke zwischen den Ambitionen der Türkei und ihren tatsächlichen Fähigkeiten“, so der Experte. Die Türkei habe dennoch in den vergangenen 25 Jahren bedeutende Schritte hin zu einer autonomeren und global ausgerichteten Rolle unternommen.


Doch bislang sind ihre realen Fähigkeiten begrenzt. Der Ukraine-Krieg liefert dafür ein gutes Beispiel. Die Türkei kann das globale Machtgleichgewicht nicht bestimmen. Aber sie verfügt über Kontakte zu Russland und zur Ukraine, ist Nato-Mitglied und hat zugleich eigene Interessen am Schwarzen Meer. Sie kann vermitteln, Druck ausüben, blockieren oder Kooperation ermöglichen.

 
 
 

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