Am Tag der Pressefreiheit zeigen sie auf die Autokraten. Doch was tun sie selbst Julian Assange an?

Herr Wallraff, warum setzen Sie sich seit Jahren für Julian Assange ein?

Günter Wallraff: Zum einen, weil Assange es mit WikLeaks wie kein anderer geschafft hat, den Enthüllungsjournalismus in der digitalen Welt zu etablieren. Zum anderen, weil WikiLeaks und er sich in die Zentren der Macht vorgewagt und Kriegsverbrechen der USA öffentlich gemacht haben, die wir uns in Ausmaß und Detailliertheit so nicht hätten vorstellen können. Endgültig mobilisiert hat mich die gnadenlose Verfolgung, die Assange seit zwölf Jahren erdulden muss.

Ich fühle mich immer den Menschen verbunden, die auf einmal als Inbegriff des Bösen und Verwerflichen hingestellt werden und an denen Rufmord im wortwörtlichen Sinne begangen wird. Dann betreibt die CIA als mächtigster Geheimdienst der Welt noch gezielte Desinformation und erpresst einen Straftäter als Kronzeugen zu Falschaussagen.


Assanges Fall ist wie aus einem Lehrbuch für Geheimdienste. Das Verfahren gegen ihn wegen eines vermeintlichen Fehlverhaltens ist längst eingestellt – doch die öffentliche Meinung wurde weiter manipuliert. So wurde er zum Aussätzigen, zum egozentrischen Dämon, zum Monster fabriziert. Das hat auch Menschen abgeschreckt, die WikiLeaks mit Sympathie gegenüberstanden. headtopics.com

Günter Wallraff über Julian Assange: „Ein Tod auf Raten“ | Wallraff - Wikileaks (headtopics.com)



Offener Brief an britisches Parlament: Bundestagsabgeordnete fordern Freilassung von Assange


37 Bundestagsabgeordnete haben sich anlässlich des Internationalen Tages der Pressefreiheit mit einem offenen Brief an die britische Regierung gewandt. Sie fordern die Freilassung von Julian Assange, dem eine Auslieferung an die USA droht.

Offener Brief an britisches Parlament: Bundestagsabgeordnete fordern Freilassung von Assange


Zum Tag der Pressefreiheit haben 37 Bundestagsabgeordnete die britische Regierung in einem offenen Brief fraktionsübergreifend dazu aufgefordert, die Auslieferung des WikiLeaks-Gründers Julian Assange an die USA zu stoppen. Eine Auslieferung Assanges hätte "einen abschreckenden Effekt auf die Pressefreiheit, investigativen Journalismus und die Meinungsfreiheit", heißt es in dem an 24 Mitglieder des britischen Parlaments adressierten Brief, der dem Nachrichtenmagazin Spiegel vorliegt.


Zu den Verfassern des Appells gehören unter anderem der Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin, Linken-Parteichefin Janine Wissler, Derya Türk-Nachbaur (SPD) sowie der FDP-Politiker Peter Heidt. "Wir machen mit diesem interfraktionellen Brief darauf aufmerksam, dass eine Auslieferung von Herrn Assange nicht nur rein juristisch betrachtet werden kann. Journalistinnen weltweit, aber auch der Europarat als oberster Hüter der Menschenrechte, schauen auf diesen Fall mit seiner Signalwirkung", erklärte Mitinitiator Max Lucks (Bündnis 90/Die Grünen) dem Spiegel mit Blick auf die Beweggründe für das Schreiben.


Mitunterzeichner Peter Heidt sagte dem Nachrichtenmagazin:


"Pressefreiheit ist für mich ein sehr hohes Gut und für eine funktionierende Demokratie existenziell."


Dies gelte insbesondere für "den investigativen Journalismus", kommentierte der FDP-Politiker die Aktion.


Hauptthema des Schreibens sei unter anderem der desolate gesundheitliche Zustand von Assange, so der Spiegel. In diesem Zusammenhang erinnerten die Verfasser ihre britischen Kollegen demnach an eine entsprechende Resolution des Europarats vom Januar 2020, in der die sofortige Freilassung des Whistleblowers gefordert wird:


"In gegenseitiger Anerkennung unserer Partnerschaft und des Bands unserer gemeinsamen Werte hoffen wir aufrichtig, dass Sie dazu beitragen werden, im Fall von Julian Assange Brücken zu bauen."


Erst kürzlich hatte ein Gericht in London die Auslieferung von Assange an die USA genehmigt. Nach US-amerikanischem Recht drohen Assange 175 Jahre Haft. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, gemeinsam mit der Whistleblowerin Chelsea Manning geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan gestohlen, veröffentlicht und dadurch das Leben von US-Informanten in Gefahr gebracht zu haben.


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