Wirtschaftsinteresse: Frankreich stützt brutale Autokraten in Afrika, die Terrorismus provozieren

Die deutsche Regierung überlässt der französischen Regierung das Feld und unterstützt sie durch die Entsendung von Soldaten:

Gerade erst unterstützt Macron den Staatsstreich in Tschad, mit dem die Armee den Sohn des getöteten Präsidenten an die Macht gebracht hat. In Paris sorgte der Tod des heldenhaften Freunds für Angstschweißattacken. Déby hinterlässt ein bedrohliches Loch in dem strategischen Schlüsselstaat. Ein ums andere Mal hatte der bisherige Staatschef seine Soldaten an der Seite der Fremdenlegionäre in die Halbwüste geschickt, um "islamistische Terroristen" zu jagen. Dass der Terror durch die schlechte Regierungsführung der Autokraten und ihre Vernachlässigung der Bevölkerung überhaupt erst hervorgebracht wird, ist irgendwie egal. Die korrupte Machtclique des Tschad haben Frankreichs Politiker immer wieder auch mit Militäreinsätzen vor der Bevölkerung geschützt. Ohne Hilfe der europäischen Freunde befände sich Déby längst nicht mehr an der Macht.

Solange die Autokraten eine wichtige Aufgabe erfüllen – die stets mit vermeintlicher Sicherheit und in diesem Fall mit Tschads Beteiligung am Kampf gegen den Terror in Verbindung gebracht wird –, wird ihr miserabler Regierungsstil in Kauf genommen. Dass der Terror durch die schlechte Regierungsführung der Autokraten und ihre Vernachlässigung der Bevölkerung überhaupt erst hervorgebracht wird, ist irgendwie egal. Déby konnte sich ungehindert durch sechs Wahlen schummeln.

Washingtons Africa Center for Strategic Studies schaute sich kürzlich die Konflikte des Kontinents genauer an – und stellte fest, dass zwölf von 16 gewalttätigen Auseinandersetzungen in autokratisch regierten Staaten toben. Keine der wirklichen Demokratien des Kontinents befindet sich derzeit in einem bewaffneten Konflikt – aber neun von 16 Autokratien Afrikas.

Und in 90 Prozent der autokratisch geführten Staaten ist die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln nicht wirklich gesichert. Dazu zählt auch der Tschad.

EU-Staaten lassen Frankreich in dessen einstigen Kolonialgebieten weitgehend ungestört werkelnd: Die EU-Politik für den frankophonen Teil des Kontinents wird weitgehend in Paris formuliert. Mehrmals kündigte Macron bereits einen radikalen Kurswechsel der einstigen Kolonialmacht an: Doch der scheitert regelmäßig an den tiefverwurzelten wirtschaftlichen Interessen.


Frankreichs stabiler Freund im Tschad - Tschad - derStandard.at › International

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