Nichtstun von Wirtschaft und Politik für Klimaschutz wird auch in Deutschland viel Leid hervorrufen

Die kommenden Katastrophen

Im Juli offenbarte sich die Wucht des Klimawandels bei der Flutkatastrophe im Ahrtal. Fachleute warnen nun vor Hitzewellen und mehr Starkregen in Deutschland. Und sie fordern Klimaschutz-Investitionen – sonst werde es teuer.

Die Zahl der Extremwetterereignisse in Deutschland nimmt zu. Flutkatastrophen wie die aus dem Juli 2021 werden wahrscheinlicher. Und sie werden häufiger.

Die Ursache dieser Katastrophen ist die Klimakrise, verursacht und vorangetrieben durch die Treibhausgasemissionen der Menschen.

In Hamburg findet derzeit der Extremwetterkongress 2021 statt. An diesem Freitag diskutieren führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie sich Extremwetterereignisse durch den Klimawandel verändern. Zum Auftakt der Tagung haben der Deutsche Wetterdienst und der Extremwetterkongress Hamburg zusammen ein Faktenpapier veröffentlicht: »Was wir heute über das Extremwetter in Deutschland wissen« fasst den aktuellen Kenntnisstand zu Extremwetterereignissen in Deutschland zusammen.

Und die Erderwärmung vollzieht sich in Deutschland schneller als in anderen Teilen der Welt: Seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen 1881 ist die Temperatur nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes um 1,6 Grad Celsius gestiegen – deutlich stärker als im weltweiten Durchschnitt. Das sei allerdings nicht verwunderlich, erklären die Autorinnen und Autoren, da sich Landregionen generell schneller erwärmten als Meeresregionen.

Das Tempo des Temperaturanstiegs habe in Deutschland in den vergangenen 50 Jahren deutlich zugenommen: Über die Zeitspanne zwischen den Jahren 1881 und 2020 gerechnet wurde es in Deutschland jedes Jahrzehnt 0,12 Grad Celsius wärmer. Doch in den vergangenen 50 Jahren, also seit 1971, lag die Erwärmungsrate bereits bei 0,38 Grad Celsius pro Dekade – mehr als der dreifache Wert.

»Eine derart außergewöhnliche Häufung von Rekordjahren der Temperatur ist nur durch die menschengemachte globale Erwärmung erklärbar.«

Aus dem Faktenpapier zu Extremwetter in Deutschland

Hitzerekorde fallen verlässlich jedes Jahrzehnt aufs Neue: Seit den Sechzigerjahren sei in Deutschland jedes Jahrzehnt deutlich wärmer gewesen als das vorherige. Das vergangene Jahrzehnt, 2011 bis 2020, sei im Schnitt zwei Grad Celsius wärmer gewesen als die ersten Jahrzehnte zu Beginn der Aufzeichnungen bis 1910. Neun der zehn wärmsten Jahre seit 1881 seien erst im neuen Jahrtausend aufgetreten.

Die zunehmende Hitze hat Folgen: Das Waldbrandrisiko nimmt zu, die Böden sind teilweise viel zu trocken, die Pegel der Flüsse sinken so weit, dass Binnenschiffe nicht mehr fahren können.


Wie lässt sich Hochwassergefahr besser abschätzen?

Starkregenereignisse könnten bedingt durch die Klimakrise ebenfalls häufiger werden. Für einen endgültigen Beleg gibt es dem Bericht zufolge bislang aber nicht genügend Daten. Radaraufzeichnungen aus den vergangenen 20 Jahren deuteten jedoch darauf hin, dass die Häufigkeit sogenannter Starkniederschlagsereignisse in einigen Regionen deutlich zunehmen.


Somit werden Katastrophen wie die aus dem Juli dieses Jahres wahrscheinlicher. An einem einzigen Tag waren in der Region um die Flüsse Ahr und Erft mehr als 90 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Auch in Belgien verursachte Stark- und Dauerregen Überschwemmungen – und mindestens 220 Menschen starben.


»Die finanziellen Risiken des Klimawandels werden unterschätzt. Und sie nehmen weiter zu.«


Allein die Kosten für den Wiederaufbau in den Gebieten der Flutkatastrophe würden mit 30 Milliarden Euro beziffert, so Kemfert. »Wir müssen uns klarmachen: Klimawandel kostet, Klimaschutz spart Kosten. Jeder Euro, der in Klimaschutz investiert wird, spart 15 Euro, die sonst durch Klimaschäden verursacht werden«, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin.

»Wir müssen uns leider darauf einstellen, dass Klimakatastrophen mehr werden. Schließlich erleben wir jetzt die Auswirkungen der vergangenen Jahrzehnte. Wir müssen unbedingt versuchen, einen weiteren exponentiellen Anstieg der Treibhausgasemissionen – und damit auch der Extremwetterereignisse – zu verhindern.«

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/extremwetter-wie-sich-deutschland-auf-zukuenftige-naturkatastrophen-vorbereiten-sollte-a-fcf8ac1a-8265-4bcf-b040-c4154d13d386


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