Was ist Macht, wie wird sie ausgeübt, wie ist sie zu erklären: Ringen um eine eigene Subjektivität!

Foucault nähert sich dem Begriff der Macht an, indem er drei Fragen stellt die sich darum drehen was Macht ist, wie Macht ausgeübt wird und wie sie zu erklären ist. Antworten auf diese Fragen findet Kaven in Foucaults Text ‚Wie wird Macht ausgeübt?’. Demnach müssen, um überhaupt den Begriff Macht aufkommen zu lassen, Subjekte mit Interessen und Zielen in Beziehung treten. Diese Subjekte wirken mit Hilfe von Instrumenten und Mitteln auf den jeweils Anderen und somit auch auf dessen Handlung ein. Letztendlich führt diese Beeinflussung der Handlungen des Anderen zu einem System der Differenzierung. Diese sich so darstellenden Machtverhältnisse unterliegen verschiedenen Graden der Institutionalisierung und Konsolidierung (vgl. Kaven, 2006: 142f). Macht bezeichnet also Verhältnisse zwischen Partnern deren „Handlungen […] sich gegenseitig hervorrufen und beantworten“ (Foucault, zitiert nach Kaven, 2006: 144). Unter dieser Annahme lassen sich bestimmte Handlungs-Wahrscheinlichkeiten herausarbeiten, die aus vorausgehenden Handlungen resultieren. Diese vorherbestimmten Wahrscheinlichkeiten können auch als eine Struktur verstanden werden, an denen sich Intentionen und Handlungen orientieren. Foucault weitet das Konzept der Produktion von Wahrscheinlichkeiten und ihrer Analysier- und Beschreibbarkeit auf alle möglichen Lebensbereiche der Gesellschaft aus, und umschreibt dies mit dem Begriff des Gouvernement (vgl. Kaven, 2006: 146f).

Im Kontext der Macht steht der Begriff der Strategie, die der Interessenvertretung und Zielerreichung dienlich ist. Dies soll an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden. Stattdessen wird lediglich auf die Strategieform ‚der Ausrichtung des eigenen Handelns’ näher eingegangen. Foucault meint damit die Orientierung der eigenen Handlung an oben dargestellter Struktur, mit dem Ziel dadurch die Handlung des Anderen zu antizipieren (vgl. Kavens, 2006: 148). Oder, um es klarer mit den Worten der Romanfigur Dr. Leonard A. Malik, der psychisch Kranke mit revolutionären Therapien behandelte, auszudrücken: „Wenn wir es aber schaffen, uns nicht mehr wie Ärzte zu benehmen, dann benehmen sie [die Patienen, Anm. d. Verf.] sich auch nicht mehr wie Patienten“ (Shem, 2000: 105). Auch wenn Foucault den Begriff der Macht gegenüber dem der Gewalt abgrenzt, so stützt er doch mit dieser Form der Strategie Galtungs Annahme der fehlenden Handlungsperspektiven. Diese wohnen der Struktur, an der sich die Handlungen manipulativ orientieren, selbst inne. Folglich besitzt dieses System ein zwanghaftes Element, welches Galtung wohl mit Struktureller Gewalt beschreiben würde. Foucault greift stattdessen auf verschiedene Machttypen zurück, die jeweils passende Subjekte produzieren (vgl. Kavens, 2006: 156f). Gegen diese Subjektivierung stellt Foucault den Kampf, der sich gegen die Subjektmachung wehrt (Kavens, 2006: 138).

https://www.grin.com/document/118339#:~:text=Galtung%20erkl%C3%A4rte%20die%20Strukturelle%20Gewalt,%3A%20F%C3%BCnf%20Typen%20von%20Imperialismus).



Paul-Michel Foucault [miˈʃɛl fuˈko] (* 15. Oktober1926 in Poitiers; † 25. Juni1984 in Paris) war ein französischerPhilosoph des Poststrukturalismus, Historiker, Soziologe und Psychologe. Er gilt als einer der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts und ist u. a. Begründer der macht- und wissenstheoretischen Diskursanalyse. Sein Werk hat einen großen Einfluss auf zahlreiche geistes-, kultur- und sozialwissenschaftliche Disziplinen weltweit.





Grundbegriffe

In der Durchführung und späteren methodologischen Erläuterung seiner Analysen entwickelte bzw. prägte Foucault zentrale Begriffe, die er teils als „Werkzeuge“ bezeichnete: Archäologie und Genealogie, Diskontinuität/Ereignis, Erfahrung, Sagbares, Diskurs, Macht/Wissen, Episteme, Subjektkonstituierungen, Disziplinarmacht, „Systeme von Normalitätsgraden“, Gouvernementalität, Dispositiv, Bio-Politik/Bio-Macht, Technologien des Selbst, Sexualitätsdispositiv, Pastoralmacht, Submacht.

Erweiterung des herkömmlichen Machtbegriffs

Foucault wandte sich Anfang der 1970er Jahre dem Thema gesellschaftlicher Machtverhältnisse zu und erweiterte den herkömmlichen Machtbegriff, der aus seiner Sicht zu sehr an einer moralischen, d. h. juridischen Sichtweise und auf die Frage der Disziplin hin orientiert sei. Vielmehr lasse sich Macht als „produktives Vermögen“ von und als Kräfteverhältnis zwischen Menschen verstehen.

Eine solche Sichtweise frage nicht mehr nach der moralischen und rechtlichen Legitimität von Machtausübung durch souveräne Subjekte, wie mächtigen Personen oder dem Staat, die sich dazu Zwangsmaßnahmen bedienen. Stattdessen wurde das Handeln jedes Einzelnen Gegenstand der Untersuchung. Foucault kam zu dem Ergebnis, dass Subjekte Macht mit bestimmten Praktiken (wie z. B. einer Strafpraxis) innerhalb von Diskursen ausübten. Er thematisierte also die Art und Weise von Handeln, statt die Ursachen von Macht.[27]

Zusammenfassend bezeichnete er mit dem Begriff Macht daher:

„[E]in Ensemble von Handlungen, die sich auf mögliches Handeln richten, und sie operiert in einem Feld von Möglichkeiten für das Verhalten handelnder Subjekte. Sie bietet Anreize, verleitet, verführt, erleichtert oder erschwert, sie erweitert Handlungsmöglichkeiten oder schränkt sie ein, sie erhöht oder senkt Wahrscheinlichkeit von Handlungen, und im Grenzfall erzwingt oder verhindert sie Handlungen, aber stets richtet sie sich auf handelnde Subjekte, insofern sie handeln oder handeln können. Sie ist auf Handeln gerichtetes Handeln.“[28]

Macht und Wissen

Hauptartikel: Macht/Wissen

In seiner ‚archäologischen Phase‘ hatte Foucault Wissen „als Effekt der Regelstrukturen von Diskursen“ bezeichnet. Diese Vorstellung von Wissen „als […] Abbild einer tatsächlichen Realität oder als kritischer Maßstab und Korrektiv zur Anklage von Herrschaft“ wurde so zum „Werkzeug“ eines bestimmten politischen Handelns.

Er veränderte seine Sicht seit der ‚genealogischen Phase‘ mit der Veröffentlichung von Überwachen und Strafen, 1975. Inzwischen hielt er Macht für ein subjektives Vermögen, welches das intersubjektive Verhältnis in Diskursen bestimmte. So fügte sich Wissen nun als Bestandteil ein, das heißt – es gehörte zu den Strukturen des Diskurses. Daher beschrieb er Wissen nun als „unumgänglich kontingentes Ergebnis von Kräfteverhältnissen und in sich selbst machthaltiger Zugriff auf die Welt.“[29]

Macht bringe Wissen hervor und jede Machtbeziehung lasse ein ‚Wissensfeld‘ entstehen und umgekehrt jedes Wissen setze Machtbeziehungen voraus und schaffe Machtbeziehungen. Für die Untersuchung dieser Beziehungen sei zu berücksichtigen, dass sie den Gegenstand von der Position innerhalb dieser Beziehungen betrachte.

„das erkennende Subjekt, das zu erkennende Objekt und die Erkenntnisweisen (bilden) jeweils Effekte jener fundamentalen Macht/Wissen-Komplexe und ihrer historischen Transformationen“[30]

Diskurs und Diskursanalyse

Foucault hat den Begriff Diskurs, der sich durch seine Publikationen zieht, entscheidend geprägt. Sein methodisches Konzept einer „Diskursanalyse“ blieb aber vage bzw. veränderte sich mit der Zeit.

Gouvernementalität

Hauptartikel: Gouvernementalität

Den Begriff der Gouvernementalität führt Foucault während seiner Vorlesung am Collège de France im Studienjahr von 1977 bis 1978 ein. Er beschreibt damit einen Machttypus, der eng mit dem Begriff der Regierung verknüpft ist. Dieser wird als Komplex von Diskursen und Praktiken/Verfahrensweisen beschrieben. Zum anderen bezeichnet Gouvernementalität das Ergebnis eines historischen Prozesses.[31]

Foucault geht davon aus, dass sich das Regieren mit der Herausbildung moderner Nationalstaaten verändert. Es kommt zu einer Verbindung der christlich-religiösen Machttechnik des Pastorats mit politischen Machttechniken. Während erstere am Seelenheil Einzelner interessiert ist, zielen letztere auf eine Optimierung der gesellschaftlichen Organisation. Modernes Regieren verknüpft die Führung und Selbstführung Einzelner mit der Herrschaft über die Bevölkerung eines Staates (Bio-Macht), so dass es von Foucault auch als „Führung von Führungen“ bezeichnet wird.[32] Beispielhaft hierfür untersucht Foucault die neoliberale Gouvernementalität.[33]

Die Analyse der Gouvernementalität ersetzt bei Foucault eine Staatstheorie, da er den Staat nicht als eigenständiges Phänomen, sondern als Produkt historisch gewachsener, spezifischer Machtverhältnisse ansieht.

An das Konzept der Gouvernementalität knüpft die Forschungsrichtung der governmentality studies an.

https://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Foucault

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