Ukraines Präsident wirft Westen Panikmache und dadurch Zerstörung der ukrainischen Wirtschaft vor

Auszüge aus dem Handelsblatt: Die Angst vor einem Krieg destabilisiert die Ukraine auch wirtschaftlich immer stärker. Das stoppt die zuletzt positive Entwicklung – und stürzt das Land in eine tiefe Krise. „Keine Panik“, ruft der ukrainische Präsident in die Kamera und fordert seine Mitmenschen auf, jetzt nicht die Läden zu stürmen, Regale mit Hamsterkäufen zu plündern und die Sparkonten zu leeren, um die heimische Währung Hrywnja in Euro oder Dollar zu tauschen. Jeden Tag darüber zu reden oder zu berichten, „dass der Krieg kommt, wird ihn sicher nicht aufhalten“, resümiert der am Dienstag 44 Jahre alt gewordene Staatschef. Wenn auch der Westen ständig von einem unmittelbar bevorstehenden Einmarsch warne, „schürt das nur Panik und zerstört unsere Wirtschaft“. Sein Land aber brauche, so Selenski, „Investitionen, die Vertrauen in die Ukraine signalisieren“.

Und US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hatte am Freitag gesagt: Seine Regierung glaube zwar nicht, dass der russische Präsident Wladimir Putin bereits einen endgültigen Beschluss zum Einmarsch gefasst habe. Aber „er verfügt jetzt eindeutig über diese Fähigkeit“.

Großbritanniens Premier Boris Johnson kündigte indes am Sonntag eine Aufstockung seiner Truppen in Osteuropa an und – wie Frankreich – die Verlegung von Militärtechnik ostwärts. Zentralbank hebt Leitzins an und senkt die Wachstumsprognose Selenski indes nennt solche Aussagen inzwischen „Panik“, die die Ukraine „teuer zu stehen kommt“. Und aus der Notenbank hieß es: Die Ukraine sei inzwischen zeitweise von den internationalen Kapitalmärkten abgeschnitten, da ausländische Investoren ukrainische Schuldverschreibungen massiv verkauft hätten. Und Neuemissionen kaum noch möglich seien, da die Renditen für bereits am Markt befindliche Papiere inzwischen deutlich höher lägen – in der Spitze vorige Woche bei 27 Prozent – als die Zinsen für die neuen Schulden. Die EU hat bereits Finanzhilfen über 1,2 Milliarden Euro verkündet, und auch die USA erwägen entsprechende Hilfen. Dabei hatte sich die Wirtschaft der Ukraine zuletzt deutlich erholt: 2021 war sie immerhin um drei Prozent gewachsen – und damit auf den höchsten Wert des Bruttoinlandsprodukts auf Dollar-Basis seit der Unabhängigkeit vor gut 30 Jahren: 184 Milliarden Dollar. Die Erzeugung erneuerbarer Energien stieg auf acht Prozent und soll 2030 bereits 27 Prozent am Strombedarf des Landes ausmachen. Die unter Selenski begonnene Privatisierung von Ackerland nahm Fahrt auf. Nur klimabedingte teilweise Ernteausfälle in der Ukraine, die einer der wichtigsten Weizen- und Maisexporteure der Welt ist, verhinderten ein noch höheres Wirtschaftswachstum im vorigen Jahr. Jetzt schlagen Entwicklungshilfeorganisationen Alarm, dass es in Teilen der Welt zu Hungersnöten käme im Falle eines Krieges mit Russland. Denn die besonders ertragreichen, berühmten ukrainischen Schwarzerdeböden liegen vor allem im Süden und Osten des größten Flächenstaates Europas, wo unweit besonders viele russische Streitkräfte konzentriert sind. Das Selenski-Lager ist inzwischen gespalten Aus dem Umfeld Selenskis werden inzwischen unterschiedliche Signale gesendet: Militärs und Sicherheitskräfte sorgen sich massiv vor einem in Kürze bevorstehenden russischen Angriff. Innen- und Wirtschaftspolitiker versuchen, die Bevölkerung zu beruhigen. Selenski selbst warnt inzwischen aus Angst vor dem Kollaps seiner Wirtschaft davor, „immer von Krieg zu sprechen. Das hält ihn auch nicht auf.“ Auch Roman Sulschik, Ökonom in Kiew und früher Banker bei JP Morgan und Deutscher Bank, ist bisher davon überzeugt, dass es noch „keinen Grund zur Panik gibt“. Man müsse „den Schmerz des fallenden Marktes“ nur für einige Zeit „aushalten“.

Ukraine-Konflikt: „Wir sollen in ständiger Angst leben“ – Präsident Selenski warnt vor Panik (msn.com)



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