Sterbende Flüchtlinge in Europa: Menschenrechte selbst verletzen, andere mit Krieg überziehen

Der Westen rechtfertigt seine Kriege immer damit, Menschenrechte durchsetzen zu wollen. Dabei hält er sie da, wo er könnte, sie selbst nicht ein. An den Grenzen in Europa sterben dadurch viele Menschen, auch am und im Ärmelkanal. Und viele Menschen fliehen aus rohstoffreichen Gebieten, in die westliche Staaten intervenieren und interveniert haben. Im Norden Frankreichs ist ein Regionalzug am Donnerstagabend in eine Gruppe von fünfzig Migranten gefahren, die die Bahnstrecke von Dünkirchen nach Calais als Passage benutzen wollten. Der Zug erfasste vier Menschen. Ein Mensch starb, drei weitere wurden schwer verletzt. Am selben Tag fand die Polizei knapp 20 Kilometer von Calais entfernt, am Ufer des Ärmelkanals bei Wissant, einen Migranten erfroren vor. Zwei weitere mussten mit schwerer Unterkühlung ins Krankenhaus gebracht werden. Erst am Tag zuvor war es im Ärmelkanal zu einem anderen Todesfall gekommen. Bei einer Rettungsaktion der französischen Küstenwache für 400 in Seenot geratene Migranten ertrank eine Person.

Immer wieder kommt es zu solchen Tragödien, wenn Geflüchtete aus Afghanistan, Somalia, Syrien und anderen Kriegs- und Krisengebieten versuchen, die britische Küste auf der anderen Seite des Ärmelkanals zu erreichen. Sie versuchen dies entweder als blinde Passagiere auf Lastwagen, die mit Fähren übersetzen, durch den Tunnel, oder zu See – auf meist völlig untauglichen Booten.


Auszüge aus der NZZ


Starke Zunahme der Überfahrten

Immer häufiger muss deshalb die französische Küstenwache ausrücken. Allein am vergangenen Wochenende riskierten laut Medienberichten um die 800 Personen bei Nacht und Nebel eine Überfahrt. Etwa 450 von ihnen soll dies gelungen sein, mehr als 300 mussten von der französischen Küstenwache gerettet werden. Gemäss Schätzungen konnten seit Jahresbeginn rund 20 000 Personen auf dem Seeweg illegal nach Grossbritannien gelangen, rund 6000 wurden bei Rettungsaktionen abgefangen. Laut dem britischen Innenministerium sind im Oktober 2021 rund sechs Mal mehr Menschen illegal über den Ärmelkanal nach Grossbritannien gelangt als im selben Monat vor einem Jahr.


Hilfswerk-Mitarbeiter im Hungerstreik

Seit 2016 in Calais ein riesiges Migrantencamp mit dem bezeichnenden Namen «Dschungel» geräumt wurde, scheint es Frankreichs Priorität zu sein, am Ärmelkanal allzu sichtbare Hütten- und Zeltlager zu verhindern. Zum Teil brutale Räumungen sollen dafür sorgen, dass Calais nicht länger ein Anziehungspunkt für Flüchtlinge und Migranten ist. Sehr effizient ist diese Politik offensichtlich nicht. Zudem empört sie Menschenrechtsorganisationen und Hilfswerke. Drei ihrer Vertreter in Calais traten vor drei Wochen in Hungerstreik. Einer von ihnen musste seinen Protest am Donnerstag aus gesundheitlichen Gründen abbrechen.

Migration am Ärmelkanal: London und Paris streiten weiter (nzz.ch)





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