Starke Lokale und nationale Proteste gegen den Kahlschlag rumänischer Wälder - und Holzkonzerne

Proteste gegen illegale Holzfällung in Rumänien

Wie lokale Graswurzel-Bewegungen zu großen nationalen Protesten führen können

Rumänien verfügt über den größten Anteil an noch verbleibenden Urwäldern in Europa. Doch diese sind zunehmend von ihrer Zerstörung bedroht, da internationale Unternehmen die Wälder illegal abholzen. So sehen sich die einheimischen Forstbauern und -bäuerinnen ihrer Lebensgrundlage beraubt. Die rumänische Bevölkerung wehren sich vor allem in Form von Sichtbarmachung ihrer Probleme durch Protestaktionen, wobei hier die kleinen Graswurzel-Bewegungen auf lokaler Ebene auch zu großen nationalen Protesten führen können.

Wälder sind nicht nur Hotspots der Biodiversität und dienen als wichtiger Kohlenstoffspeicher, die Zerstörungen dieser haben auch enorme sozial- und politökologische Folgen. So werden viele Menschen durch große Holzfäller-Konzerne, darunter auch österreichische Unternehmen wie HS Timber Group, oft in Zusammenarbeit mit der rumänischen Politik bedroht, enteignet oder vertrieben.



Hinter den Rodungen steckt ein großes Netz an korrupten, mafiösen und klientelistischen Systemen, wobei hier vor allem die Verstrickung der lokalen beziehungsweise nationalen Politik mit der Forstwirtschaft und dem Waldraub zu betonen ist. So sind die Waldbesitzerinnen und -besitzer, die Betreibenden der Holzfällerunternehmen oder die Sägewerksbetreiber oftmals (Lokal-)Politikerinnen und Politikern oder direkte Vertraute, die sich ein großes Netzwerk aufgebaut haben und durch den illegalen Holzeinschlag große Summen an Geld und Macht sichern.

Gerade den postsozialistischen Gesellschaften im (süd-)östlichen Europa wird eine Politikverdrossenheit, ein politisches Desinteresse und geringe politische Partizipation zugesprochen. Oft wirkt es in der Region so, als seien vor allem internationale Organisationen wie Greenpeace tätig, die ohne Miteinbezug der lokalen Bevölkerung den illegalen Holzraub bekämpfen wollen. Doch das ist nur bedingt auf das rumänische Beispiel umzulegen. Hier sind es oftmals kleine Graswurzel-Bewegungen, die in Zusammenarbeit mit Umwelt-NGOs wie Robin Wood oder Euronatur, Betroffene bestärken, aktiv zu werden. Diese Strategie hat sich als erprobt erwiesen, um über die individuelle Betroffenheit auf nationaler Ebene ein Problembewusstsein zu schaffen.

Neben vielen kleinen Protesten kam es vor allem 2017 zu großen nationalen Protesten, als die damals neu gewählte PSD-Regierung ein Gesetz erlassen wollte, das Korruption und Amtsmissbrauch bis zu einem gewissen Grad legalisiert hätte. Durch dieses Vorhaben gründete sich eine große Gegenbewegung, die in Bukarest gegen Korruption und Vetternwirtschaft und für eine aktivere Zivilgesellschaft und eine partizipative Demokratie protestierte.

Die Forderung nach einem Gehört- und Verstanden werden, werden auch in den Protesten zum illegalen Holzeinschlag deutlich. Die Betroffenen möchten dabei nicht nur auf die Umweltdegradation hinweisen, sondern auch die demokratiepolitischen Defizite und Marginalisierungen dahinter aufzeigen. In Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Umweltorganisationen kann so ein wichtiger Beitrag zum Schutz der europäischen Wälder in Rumänien geleistet werden. (Katharina Lindtner, 26.8.2021)

Katharina Lindtner ist Mitglied der Forschungsgruppe Osteuropastudien am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien und studiert dort mit den Forschungsschwerpunkten politische Ökologie in Osteuropa, postsozialistische Transformationsforschung, kritische Agrarstudien sowie gesellschaftliche Naturverhältnisse.

https://www.derstandard.at/story/2000129126230/proteste-gegen-illegale-holzfaellung-in-rumaenien


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