Müssen bald algerische statt französische Soldaten den Kopf hinhalten in den Kriegen in Afrika

Aktualisiert: Juni 16

Die Demokratiebewegungen in Europa, Algerien und im Sahel sind jetzt gefordert, auf die Einhaltung der UNO-Charta zu dringen und selbst dafür Kräfte aufzubauen: Alle Konflikte dürfen nach internationalem Recht nicht mit Krieg und Gewalt gelöst werden, sondern nur mit friedlichen Mitteln. Die demokratische Neubegründung der früheren Kolonien und nachkolonialen Gebilde durch Nationalversammlungen und den Aufbau sozialer, demokratischer Rechtsstaaten zu erreichen. Und der Aufbau gerechter Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und Afrika ist dringlich, wenn die Gewalt gestoppt und nicht weiter eskaliert werden soll. Bisher ist das System stabil gewesen, weil von ihm nicht nur die reichen Ländern und in ihnen vor allem die Vermögenden profitiert haben, sondern auch Eliten in den armen Ländern. In beiden Regionen aber wächst die Zahl der Menschen, die keine Perspektive mehr haben und nach neuen eigenen Wegen suchen. Die Chance auf Versänderung ist da; die Privilegierten setzen dagegen zunehmen auf Gewalt, nachdem immer mehr Menschen das Gegebene nicht mehr als "naturgegeben" hinnehmen wollen.


Das politische Magazin Jeune Afrique berichtet von einem geheimen Besucht des algerischen Verteidigungsministers in Paris. Danach soll die Situation im Sahel besprochen werden. In der algerischen Zivilgesellschaft gibt es die Befürchtung, dass jetzt algerische Soldaten nach Mali, Niger, Burkina Faso und die Zentralafrikanische Republik oder nach Libyen geschickt werden sollen, um die französischen Soldaten zu ersetzen.


Nachdem es immer mehr tote französische Soldaten gegeben hat, ist die Mehrheit der Franzosen inzwischen gegen die Militäreinsatz. Er kostet zudem pro Jahr eine Milliarde Euro und hat die Sicherheit in der Region nicht verbessert, sondern verschlechtert. Es gibt inzwischen die Prognose, dass es einen langen verlustreichen Krieg geben wird, wie ihn Frankreich und die USA gegen zur Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft über Vietnam geführt und verloren haben.


Anstatt die Ursachen der Gewalt in der rohstoffreichen Region anzugehen, die Perspektivlosigkeit der Jugend, auch durch ungerechte Handelsbeziehungen, die Ausbeutung der Rohstoffreichtümer der Länder durch internationale Konzerne oder die Auswirkungen des Klimawandels, hat Frankreich bisher auf die militärische Unterdrückung des Protest gegen die desolate Wirtschaftslage der meisten Menschen gesetzt. Bei ihrem Einsatz im Sahel hat die französische Armee viele Zivilisten getötet.


In Algerien hat das Parlament inzwischen Auslandseinsätze der algerischen Armee, die Armee mit dem größten Rüstungsbudget in Afrika, gesetzlich möglich gemacht. Auch die Eliten anderer afrikanischer Staaten schicken ihre Jugend als Kanonenfutter die die Kriege für westliche Interessen. Die normalen Soldaten sterben, Politiker und Offiziere kassieren und bauen sich die Villen. Bekannt ist das etwa vom Einsatz burundischer und ugandischer Soldaten in Somalia durch den von westlichen Staaten finanzierten Krieg der Afrikanischen Union.


Es gibt die Befürchtung, dass die algerischen Generäle, die die eigentlichen Machthabern im Land sind, sich auf das gleiche Geschäftsmodell einlassen werden. Sie könnten dann die sinkenden Einnahmen aus dem Ölgeschäft auf Grund der niedrigen Preise durch Einnahmen ersetzen, die sie für die Entsendung ihrer ihrer jungen Leute in den Krieg im Sahel bekommen: zur Aufrechterhaltung der neokolonialen Weltwirtschaftsordnung, die den jungen Menschen in Afrika keine Zukunftschance bietet. Auch in den Kriegen zur Verhinderung der afrikanischen Selbstbestimmung haben die Kolonialländern Soldaten aus den jeweils anderen Kolonien eingesetzt.

Die Demokratiebewegungen in Europa, Algerien und im Sahel sind jetzt gefordert, auf die Einhaltung der UNO-Charta zu dringen und selbst dafür Kräfte aufzubauen: Alle Konflikte dürfen nach internationalem Recht nicht mehr mir Krieg und Gewalt gelöst werden, sondern nur noch mit friedlichen Mitteln. Die demokratische Neubegründung der früheren Kolonien und nachkolonialen Gebilde durch Nationalversammlungen und den Aufbau sozialer, demokratischer Rechtsstaaten zu erreichen. Und der Aufbau gerechter Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und Afrika ist dringlich, wenn die Gewalt gestoppt und nicht weiter eskaliert werden soll.


Wolfgang Lieberknecht, Internationale FriedensFabrik Wanfried und Initiative Black and White




Das Modell vom Galtung zum Verständnis der Nord-Süd-Beziehungen veranschaulicht gut, dass von den heutigen Beziehungen die Mächtigen und Vermögenden im Süden und Norden profitieren.



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