Pandemiebedingt weniger Wirtschaftsleistung, aber immer mehr Geld für die Militärapparate

Der Wirtschaftseinbruch durch die Pandemie hat die globale Wirtschaftsleistung um 3,1 Prozent verringert. Die weltweiten Rüstungsverkäufe sind aber trotz Corona-Pandemie weiter gestiegen, nochmal um 1,3 Prozent: Bereits zum sechsten Mal in Folge konnte die Rüstungsindustrie zulegen. Die 100 grössten Konzerne verbuchen für das Jahr 2020 einen Umsatz von 489 Milliarden Franken (etwa 450 Milliarden Euro). Mehr als die Hälfte der weltweiten Rüstungsverkäufe werden bei US-Firmen getätigt. Russland auf Rang vier erlebte im Gegensatz zu den drei Topländern keinen Zuwachs, sondern einen deutlichen Rückgang um 6,5 Prozent. Auch die französischen Unternehmen verzeichneten einen Rückgang um insgesamt 7,7 Prozent.

Auszüge aus der NZZ: (dpa) Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie haben kein Loch in die Kassen der führenden Rüstungskonzerne der Welt gerissen. Im Gegenteil: Die 100 grössten Waffenverkäufer der Erde haben im Jahr 2020 Rüstungsgüter und Militärdienstleistungen im Wert von 531 Milliarden Dollar (ungefähr 489 Milliarden Franken) verkauft, was einem währungsbereinigten Anstieg um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entsprach. Das teilte das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri in einem am Montag veröffentlichten Bericht mit. Zwar handelte es sich demnach um den geringsten Anstieg seit drei Jahren, allerdings um den sechsten jährlichen Zuwachs in Folge.


«Obwohl das globale Bruttoinlandprodukt im Jahr 2020 um gut 3,1 Prozent gefallen ist, hat es die Rüstungsindustrie dennoch geschafft, um 1,3 Prozent zuzulegen», sagte die deutsch-österreichische Sipri-Forscherin Alexandra Marksteiner der Nachrichtenagentur DPA in Skandinavien.

Bereits ein im Frühjahr 2021 veröffentlichter Sipri-Bericht hatte gezeigt, dass die Länder der Erde im abgelaufenen Jahr trotz der Pandemie 2020 mehr Geld in ihre Militärapparate gesteckt haben als zuvor. In weiten Teilen der Welt seien die Militärausgaben gewachsen, sagte die Rüstungsexpertin Marksteiner nun. Manche Regierungen hätten ihre Zahlungen an die Rüstungsindustrie gar beschleunigt, um die Auswirkungen der Corona-Krise abzufedern.

Das Nonplusultra auf dem internationalen Rüstungsmarkt bleiben auch diesmal die USA. Seit 2018 nehmen amerikanische Konzerne durchweg die fünf Toppositionen in dem Sipri-Ranking ein. Die 41 in den USA ansässigen Unternehmen unter den Top 100 setzten 2020 bei einem Anstieg um 1,9 Prozent Waffen im Gesamtwert von 262 Milliarden Franken um. Das entsprach einem Anteil von 54 Prozent aller Verkäufe unter den 100 führenden Unternehmen. Auf Platz zwei folgt China mit einem Anteil von rund 13 Prozent, dahinter dann Grossbritannien mit 7,1 Prozent. Deutschland liegt mit einem Gesamtzuwachs um 1,3 Prozent im internationalen Durchschnitt.


Zugleich gibt es bei den vier deutschen Konzernen in den Top 100 deutliche Unterschiede: Rheinmetall auf Rang 27, Hensoldt auf Platz 78, Krauss-Maffei Wegmann auf Platz 70. Der Flugzeugbauer Airbus wird von Sipri als transeuropäischer Konzern betrachtet. Mit Rüstungsverkäufen in Höhe von nunmehr knapp 12 Milliarden Dollar (11,5 Milliarden Franken) stieg der Konzern unter den 100 führenden Rüstungsunternehmen von Rang 13 auf Platz 11.

Rüstungsindustrie: Weltweite Verkäufe nehmen trotz Corona zu (nzz.ch)

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