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Nie wieder Frieden! Ernst Tollers bittere, hochaktuelle Komödie über Militarismus und Antipazifismus aus dem Jahr 1936


Ernst Tollers bittere, hochaktuelle Komödie über Militarismus und Antipazifismus aus dem Jahr 1936 – jetzt als friedensbewegte Edition.

Über Nacht haben Militarismus und Kriegsertüchtigung wieder die Kontrolle über das öffentliche Leben übernommen. Noch gestern hatte man den Ewigen Frieden in der Verfassung beurkundet und sich stolz gebrüstet, bei den „Lehren aus der Geschichte“ alle anderen zu überflügeln. Doch jetzt bläst dieselbe Fraktion zur Hetze gegen die Lumpenpazifisten, bringt Militainment zur besten Sendezeit und setzt eine gigantische Aufrüstung der Waffenarsenale ins Werk. Die angestrebte Weltmeisterschaft gilt nunmehr dem überaus einträglichen Sektor der Totmach-Industrien.

Ernst Tollers bittere Komödie „Nie wieder Friede“ (1934/36) klärt uns auf, wie so etwas möglich ist. Das falsche Friedensplakat trug auf seiner Rückseite immer schon die Parole für neue Kriegsabenteuer: „Man muß es nur umdrehen.“ Ob Kosmopolitismus oder nationale Weltgeltung (an der Spitze), ob Freiheitspredigt oder autoritäre Staatspolitik, ob Krieg oder Frieden – das entscheidet sich stets an der jeweiligen Lageeinschätzung der Besitzenden und Herrschenden. Zu folgen ist den Einflüsterungen der Kriegsprofiteure.

 

Eine Wette „über den Wolken“ um Krieg oder Frieden …

 

Wer wird beim Experiment zur Kriegstauglichkeit der Erdenbewohner „gewinnen“: Soldatenkaiser Napoleon oder ein heiliger Franziskus? „Nie wieder Friede“ spielt „in exemplarischen Szenen die irdische Probe auf einen ‚himmlischen‘ Prinzipienstreit durch. Im Olymp geraten Napoleon und Franziskus von Assisi in einen Streit über die Frage, ob die Menschen eher zum Krieg oder zum Frieden neigen. Wer von beiden recht hat, soll sich in dem irdischen Kleinstaat Dunkelstein erweisen, wo soeben eine große Feier des Friedens staatfindet. Auf die vom Olymp aus fingierte Nachricht, der Krieg sei ausgebrochen, erweist sich sehr schnell die Kriegsbereitschaft der soeben noch friedliebenden Gesellschaft. Der militaristische Umschwung … bleibt nicht ohne Widerstand, scheint aber zu­nächst nicht aufzuhalten. Die erneute Wende zurück zum Frieden wird wiederum durch eine Manipulation aus dem Olymp veranlasst und in Dunkelstein ebenso anstandslos nachvollzogen wie zuvor diejenige zum Krieg – ein Ausgang des Experiments, der den Bellizisten Napoleon ebenso wenig zufriedenstellt wie den Pazifisten Franziskus …

Die Frage, ob die Menschen eher zum Krieg oder zum Frieden neigen, bleibt offen. Am Ende zweifelt Franziskus, ob diese Frage überhaupt die richtige Frage war, und beginnt zu überlegen, ob es vielleicht an der Qualität des Friedens liegt, dass so viele Menschen ihn so leicht aufgeben“ (Bernhard Spies: Die Komödie in der deutschsprachigen Literatur des Exils. Würzburg 1997, S. 45) und lieber jener gnadenlosen Ideologie des „Gewinnens“ folgen, die – fast – nur Verlierer produziert.


 
 
 

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