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Mit der in uns steckenden Gütekraft zum Frieden beitragen! Die Anregungen von Dr. Martin Arnold

Dr. Martin Arnold hat untersucht, wie es möglich ist, Menschen, die bereit sind, Gewalt anzuwenden, ohne Gewalt oder Drohung wirksam entgegenzutreten. Das Geheimnis der Wirkungsweise liegt in einer Kraft, die sich entfaltet durch die Kombination aus eigenständigem Handeln, wohlwollend-gerechter Kommunikation und Nichtzusammenarbeit mit dem Missstand, der abgebaut werden soll. Der Hindu Gandhi nannte diese Streitkunst satyagraha, deutsch Gütekraft, "die Kraft, die aus Liebe und Wahrheit entsteht". Sein atheistischer Zeitgenosse, der niederländische Anarchist und Sozialist Bart de Ligt, nannte sie Geestelijke Weerbaarheit = geistig-sittliche Streitbarkeit und erforschte ihr Potenzial in der Menschheitsgeschichte. Die österreichische Christin Hildegard Goss-Mayr, die ebenfalls ein eigenständiges Konzept der "Kraft der Gewaltfreiheit" entwickelte und in vielen Ländern erfolgreich zur Anwendung brachte und lehrte. In verschiedenen audiovisuellen Medien und Texten hat der Friedensforscher seine Ergebnisse einschl. der umfangreichen Forschungsarbeit öffentlich vorgestellt auf


FORSCHUNGSERGEBNISSE ÜBERSICHT UND DOWNLOADS

Die Forschungsergebnisse sind in folgenden Publikationen veröffentlicht: Aufbau der Studie Auf den ersten drei Teilen basieren die Gesamtergebnisse. Ohne einen der drei ersten Bände sind daher die Gesamtergebnisse ohne wissenschaftliche Vorbildung in Friedensforschung kaum verständlich. Das Wesentliche kann erfassen, wer zumindest einen der drei ersten Bände zuerst liest und dann den Band mit den Gesamtergebnissen. Gütekraft – Hildegard Goss-Mayrs christliche Gewaltfreiheit Verlag Bücken & Sulzer, Overath. 2011. 149 Seiten. ISBN 978-3-936405-65-1 . 12,50 € Hildegard Goss-Mayr ist Ehrenpräsidentin des Internationalen Versöhnungsbundes. Die weltweit erzielten Erfolge ihrer gütekräftigen Vorgehensweise zeigen, wie Unrecht und Gewalt überwunden werden können. … mehr darüber aaBeim Bund für Soziale Verteidigung online bestellen (keine aaVersandkosten, obwohl zunächst Kosten angegeben werden) Gütekraft – Gandhis Satyagraha Verlag Bücken & Sulzer, Overath. 2011. 411 Seiten. ISBN 978-3-936405-66-8. 24,80 € Mohandas K. Gandhi, genannt Mahatma (‚Große Seele‘), war der Pionier der konsequenten Umsetzung, Entwicklung und weltweiten Bekanntmachung eines gewaltfreien Kampfkonzeptes für Gerechtigkeit. … mehr darüber aaBeim Bund für Soziale Verteidigung online bestellen (keine aaVersandkosten, obwohl zunächst Kosten angegeben werden) Gütekraft – Bart de Ligts humanistische Geestelijke Weerbaarheid Verlag Bücken & Sulzer, Overath. 2011. 321 Seiten. ISBN 978-3-936405-67-5. 17,90 € Gandhi des Westens“ so nennt ein Zeitgenosse den Niederländer Bart de Ligt. Sein erfolgreich angewandtes gewaltfreies Kampfkonzept für Gerechtigkeit und Frieden Geestelijke Weerbaarheid (wörtlich: geistig-sittliche Wehrhaftigkeit) ist Basis seines Wirkens. mehr darüber aaBeim Bund für Soziale Verteidigung online bestellen (keine aaVersandkosten, obwohl zunächst Kosten angegeben werden) Gütekraft. Ein Wirkungsmodell aktiver Gewaltfreiheit nach Hildegard Goss-Mayr, Mohandas K. Gandhi und Bart de Ligt. Mit einem Geleitwort von Johan Galtung Nomos-Verlag, Reihe Religion – Konflikt – Frieden: 4. 283 Seiten. ISBN 978-3-8329-6975-2 , 19 Euro Das Gütekraft-Modell beschreibt den allgemein-menschlichen Kern erfolgreicher Ansätze zur gewaltfreien Lösung von Unrechts- und Gewaltsituationen, von der persönlichen Ebene bis zu globalen Konflikten. Der Band enthält die wissenschaftliche Einleitung und den Hauptteil/Schluss mit den Gesamtergebnissen aus der Zusammenführung der Teilergebnisse, die in den drei anderen Bänden veröffentlicht sind. … Beim Bund für Soziale Verteidigung online bestellen (keine Versandkosten, obwohl zunächst Kosten angegeben werden) Gütekraft. Ein Grundmodell der Wirkungsweise erfolgreicher gewaltfreier Konfliktaustragung nach Hildegard Goss-Mayr, Mohandas K. Gandhi und Bart de Ligt Diese Fassung ist die Gütekraft-Gesamtstudie mit allen Anhängen, 1015 Seiten A 4. Sie steht unter den beiden Bedinungen, a) dass bei ganzer oder teilweiser Verwendung immer der Name des Autors Martin Arnold sowie diese Website www.martin-arnold.eu als Quelle genannt werden (Creative Commons by) und b) dass sie nur mit dieser Bedingung weitergegeben wird (Creative Commons sa), zur freien Verfügung. pdf-Datei 7,9 MB hier online öffnen Streitkunst Gütekraft: Zwei Voraussetzungen Illustrierte Power-Point-Präsentation (für 15 – 20 Minuten. 2,2 MB) Sie steht unter den beiden Bedinungen, a) dass bei ganzer oder teilweiser Verwendung immer der Name des Autors Martin Arnold sowie diese Website www.martin-arnold.eu als Quelle genannt werden (Creative Commons by) und b) dass sie nur mit dieser Bedingung weitergegeben wird (Creative Commons sa), zur freien Verfügung. Microsoft-PowerPoint-Version: mmmmhier online ansehen mmmmhier zur eigenen Verwendung öffnen und herunterladen Open-Office-Version: mmmmhier zur eigenen Verwendung öffnen und herunterladen pdf-Version (ohne Animationen) hier herunterladen „Von der Gewaltfreiheit zur Gütekraft von Martin Arnold Der zusammenfassende 13-Seiten-Artikel steht unter den beiden Bedinungen, a) dass bei ganzer oder teilweiser Verwendung immer der Name des Autors Martin Arnold sowie diese Website www.martin-arnold.eu als Quelle genannt werden (Creative Commons by) und b) dass sie nur mit dieser Bedingung weitergegeben wird (Creative Commons sa), zur freien Verfügung. (pdf, 0,3 MB) hier herunterladen „Wie sich Gütekraft gegen ‚übermächtige’ Gewalt gewaltfrei durchsetzt“ von Martin Arnold Der 10-Seiten-Artikel steht unter den beiden Bedinungen, a) dass bei ganzer oder teilweiser Verwendung immer der Name des Autors Martin Arnold sowie diese Website www.martin-arnold.eu als Quelle genannt werden (Creative Commons by) und b) dass sie nur mit dieser Bedingung weitergegeben wird (Creative Commons sa), zur freien Verfügung. (pdf, 0,5 MB) hier herunterladen „Erfolg durch Gütekraft“ (2 Seiten) Text-Datei (pdf 370 KB) Sie steht unter den beiden Bedinungen, a) dass bei ganzer oder teilweiser Verwendung immer der Name des Autors Martin Arnold sowie diese Website www.martin-arnold.eu als Quelle genannt werden (Creative Commons by) und b) dass sie nur mit dieser Bedingung weitergegeben wird (Creative Commons sa), zur freien Verfügung. „Erfolg durch Gütekraft“: hier herunterladen Forschungserträge für Trainings Text-Datei (pdf 370 KB) Sie steht unter den beiden Bedinungen, a) dass bei ganzer oder teilweiser Verwendung immer der Name des Autors Martin Arnold sowie diese Website www.martin-arnold.eu als Quelle genannt werden (Creative Commons by) und b) dass sie nur mit dieser Bedingung weitergegeben wird (Creative Commons sa), zur freien Verfügung. Erträge der Gütekraft-Forschung für GA-Trainings hier herunterladen TEDx talk „Gun or Gandhi“ (English) by Martin Arnold, Essen, 28 September 2013) Text des TEDx-Vortrags „Gun oder Gandhi“ (deutsch) von Martin Arnold (pdf, 520 KB) English Version „Gun or Gandhi“ (pdf, 340 KB) „Redezeit“ (über Gandhi aktuell) WDR 5 mit Martin Arnold am 13. März 2014 (mp3-Audiodatei 30 Min.) hier „Die andere Wange hinhalten“? Jugendliche wollen Gandhi vom Bürgersteig vertreiben: Wortlaut der Filmszene in Attenboroughs „Gandhi“ ab Min. 17

Martin Arnold war bis 2010 an der Berufsschule Essen-West als evangelischer Berufsschulpfarrer tätig. Von 2004 bis 2009 führte er ein von der Deutschen Stiftung Friedensforschung finanziertes Forschungsprojekt zu folgender Frage durch: Warum und wie ist es möglich, Menschen oder Gruppen, die bereit sind, für ihre Ziele Gewalt anzuwenden, ohne Gewalt wirksam entgegenzutreten? Er untersuchte drei erfolgreich angewandte Konzepte: das des Hindus Mohandas K. („Mahatma") Gandhi, das der Katholikin Hildegard Goss-Mayr und das des Freidenkers Bart de Ligt. Aus den Gemeinsamkeiten entwickelte er ein Modell der zur Wirkung kommenden Kraft, der Gütekraft, das für weltanschaulich sehr unterschiedlich geprägte Menschen nachvollziehbar ist. Er wird aus seinen Forschungsergebnissen vortragen. Weiter Infos unter http://www.martin-arnold.eu und http://www.power-of-goodness.net In the spirit of ideas worth spreading, TEDx is a program of local, self-organized events that bring people together to share a TED-like experience. At a TEDx event, TEDTalks video and live speakers combine to spark deep discussion and connection in a small group. These local, self-organized events are branded TEDx, where x = independently organized TED event. The TED Conference provides general guidance for the TEDx program, but individual TEDx events are self-organized.* (*Subject to certain rules and regulations)


Der Begriff Gütekraft wurde von Martin Arnold geprägt und stellt einen Versuch dar, den Begriff der Satyagraha von Mahatma Gandhi ins Deutsche zu übertragen und den Begriff der Gewaltfreiheit zu vermeiden, der zu eng greift. „Gütekraft bedeutet mehr, als keine Gewalt auszuüben. Gütekraft ist ein mögliches Element oder ein möglicher Aspekt des Prozesses aktiver Konfliktbearbeitung.“ – Martin Arnold (1990) Gütekraft beinhaltet sowohl Entwicklung und Anwendung gewaltfreier Aktionen im politischen Raum als auch immer eine Entscheidung für einen Wert (Gerechtigkeit, Freiheit usw.) sowie die Verantwortung des Einzelnen, wertbegründete Entscheidungen zu treffen und die Folgen dieser Entscheidungen zu tragen. Das erfordert Mut, „soul force“, das Wirken einer Kraft. Gütekraft wird durch eine Reihe von Eigenschaften charakterisiert, die Haltung, Lebensweise, Beziehungen, Aktionen, Handlungen und Kommunikation bestimmen: geduldig, konstruktiv, kreativ, aktiv und offensiv, verändernd, gerecht, vielfältig, wahrhaftig, nicht verletzend, prozesshaft, selbstbestimmt, freiwillig (Birgit Berg). Die Gütekraft-Forschung, als eine Antwort auf die allgemein angemahnte Friedensursachenforschung, beschäftigt sich mit Fragestellungen, die eine systematische Bestimmung von Gewaltfreiheit bzw. Gütekraft ermöglichen. Ein Forschungsprogramm von Martin Arnold fragt nach individuellen Voraussetzungen, Einstellungen und Haltungen, Deutungsmustern und Handlungsstrategien, Auswirkungen, allgemeinen und situativen Faktoren, nach Veränderungsfaktoren und notwendigen Modifikationen der bekannten Konfliktlösungsmodelle.[1] Entstehung des Begriffs Der Begriff Gütekraft ist entstanden, weil „Gewaltfreiheit“ das Konzept von Gandhi und anderen, die sich erfolgreich für mehr Gerechtigkeit, Freiheit und Menschlichkeit einsetzten, nur unzulänglich wiedergibt. Gandhi gebrauchte für seine Streitkunst im Indischen zwei Ausdrücke: Ahimsa und Satjāgrah (das zweite a wird lang gesprochen, engl. Schreibweise: satyagraha). Bisher haben er und andere aber nur Ahimsa = Nicht-Verletzen ins Englische übersetzt: non-violence. Dieser Ausdruck wurde in weitere Sprachen übertragen. Daneben schuf Gandhi 1908 das neue Sanskrit-Wort Satjāgrah. Er erklärte es als love-force, truth-force und soul-force und als Kraft, die aus Wahrheit und Liebe geboren wird.[2] Britische Freunde von Gandhi gebrauchten auch den Begriff goodness-force[3]. Gütekraft ist die Übertragung von Satjāgrah ins Deutsche. Der Begriff wird in der Friedensforschung und der Friedensbewegung seit Mitte der 1990er Jahre benutzt. Er bezeichnet die Kraft, die bei gewaltfreiem Vorgehen zum Abbau sozialer Missstände zur Wirkung kommt und entscheidend für dessen Erfolg ist. Die Gütekraft-Forschung ist ein Teilbereich der Friedensforschung und untersucht Elemente, Bedingungsfaktoren, Anwendungsmöglichkeiten und Grenzen dieser Kraft. Entscheidende Beiträge zum Verständnis der Gütekraft haben der Psychotherapeut Dr. Robert Antoch[4], der Psychologe Burkhard Bläsi[5] und zuletzt der Essener Friedensforscher Martin Arnold geleistet.[6] Arnold verglich die Konzepte gewaltfreien Handelns von Hildegard Goss-Mayr, Mohandas K. Gandhi und Bart de Ligt und beschrieb die ihnen gemeinsame Vorstellung von der Wirkungsweise der Gütekraft. Mit einem idealtypischen Modell beantwortet er die Frage: Wodurch kommt gewaltfreies Vorgehen in gesellschaftlichen und politischen Konflikten zum Erfolg? Non-violence, Gewaltlosigkeit, Gewaltfreiheit, kam im Westen vor allem als Appell oder Forderung „Keine Gewalt!“ an. Das lenkt vom Wesentlichen der Gandhi‘schen Streitkunst ab: von der verändernden Kraft, wie die Quäker seit langem sagen. Von Gütekraft und gütekräftigem Vorgehen zu sprechen, bringt die Stärke von Gandhis Konzept besser ins Bewusstsein. Gandhi verstand sich nicht als Apostel der Gewaltlosigkeit, sondern als Experimentator mit einer Kraft, als Experimentator der Gütekraft.

Die Wirkungsweise der Gütekraft Grundannahmen Wer gütekräftig handelt, geht von der Annahme aus: Alle Menschen neigen zumindest unbewusst dazu, wohlwollend und gerecht zu handeln. Anders gesagt: Die Potenz zu gütekräftigem Handeln ist allen Menschen eigen. In Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen wird diese Kraft Vernunft, Gewissen und Geist der Geschwisterlichkeit genannt. Bereitschaft und Neigung zu Kooperation wurden in jüngeren Forschungen von der Biologie und Gehirnforschung[7] über die Verhaltensforschung[8], die Sozialpsychologie[9] und anderen bis zur Neurologie und Psychiatrie[10] als elementare Kategorie des Menschseins wiederentdeckt. Das Vertrauen auf die allgemein-menschliche Neigung zu Wohlwollen und Gerechtigkeit ist die Grundlage der Wirksamkeit gütekräftigen Vorgehens.

Gemeinwohl-Orientierung Das Gütekraft-Konzept gilt nicht nur für Konflikte, sondern darüber hinaus für gesellschaftliche und politische Missstände, das heißt für allgemein erkennbare Mängel an Freiheit, Gerechtigkeit oder Menschlichkeit. Das Modell ist am Gemeinwohl nach dem Maßstab der Fülle des Lebens für alle ausgerichtet. Für die Durchsetzung von Partikularinteressen und rein egoistische Ziele einschließlich politischem Hegemoniestreben ist es nicht geeignet.

Stufenmodell: Vom Wahrnehmen der Eigenverantwortung zum zivilen Ungehorsam Der Essener Friedensforscher Martin Arnold beschreibt die Wirkungsweise der Gütekraft auf sechs Stufen mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad. In der Praxis lassen sich mehrere Stufen zugleich nehmen, für hohe Wirksamkeit darf aber keine Stufe übersprungen werden. Zum Konzept gehört auch die selbstkritische Auswertung aller Aktivitäten.

  • Erste Stufe: (Selbst erkennen und risikobereit handeln)

Wer sich gütekräftig engagiert – einzeln oder als Gruppe –, fragt sich zunächst nach eigenen Anteilen am Missstand und ist bereit, Kosten oder auch Risiken auf sich zu nehmen, um zu dessen Behebung beizutragen.

  • Zweite Stufe: (Auswertung der ersten Aktivität und Verbesserung der eigenen Handlungsmöglichkeiten)

Wenn der Missstand durch Aktivitäten der ersten Stufe nicht behoben werden konnte, folgen die Auswertung der Ereignisse und weitere Anstrengungen zum Abbau des Missstandes. Stärkung und Ausbildung der eigenen Fähigkeiten spielt dabei eine wichtige Rolle (Empowerment). Dazu kann auch Persönlichkeitsentwicklung gehören. Falls klar ist, dass für den Abbau des Missstandes außer den bisher engagierten weitere Personen nötig sind, kommt es zu Aktivitäten der dritten Stufe.

  • Dritte Stufe: (Mit anderen gemeinsam den Missstand abbauen)

In dieser Stufe erfolgt der Schritt auf die Personen zu, welche zum Abbau des Missstands wesentlich beitragen können. Alle an einem Missstand Beteiligten werden von vornherein und durchgehend als potenziell Verbündete zum Abbau des Missstands angesehen und angesprochen, nicht als „Gegner“. (Kampfvokabular gegen Personen passt nicht zum gütekräftigen Vorgehen.) Allen, auch denen, die in der Sache Gegner sind, wird zugetraut und zugemutet, wahrhaftig, gerecht und verantwortungsbewusst handeln zu können. Diese Haltung schließt die absichtliche Schädigung dieser Personen aus, auch abwertende Äußerungen über sie privat und in der Öffentlichkeit. Wenn die Angesprochenen die Lage nicht als Missstand beurteilen, ist der Dialog über diese Frage die erste Aufgabe. Beim Dialog ist wichtig, zwischen den Personen und ihren Handlungen zu unterscheiden und die für den Missstand Verantwortlichen nicht negativ zu etikettieren. Für gütekräftig Handelnde sind dagegen positive Handlungen oder Eigenschaften der anderen Beteiligten wichtig, zum einen, um die Kontaktaufnahme mit ihnen zu erleichtern, zum andern, damit sie sich leichter innerlich ansprechen lassen. Mit Respekt vor den Personen wird die Kritik an ihren Handlungen bzw. deren Folgen im Dialog ganz deutlich gemacht. Bei größeren Konflikten geht die Auseinandersetzung auf der nächsten Stufe weiter.

  • Vierte Stufe: (Eskalation I)

Einbeziehung der Öffentlichkeit und Intensivierung des Einsatzes. Die Gruppe der Unterstützenden wird verbreitert. Appelle oder auch dramatisierende Aktionen dienen dazu, allgemein anerkannte Personen und die Öffentlichkeit anzuregen, das Anliegen ebenfalls zu vertreten. Der Dialog mit den anderen Beteiligten wird so in der Öffentlichkeit fortgesetzt. Bei Aktionen vermeiden die Engagierten, andere Personen zu schädigen. Lässt sich das nicht vermeiden, so werden die Schäden nach Möglichkeit ausgeglichen (Beispiel: Gegner von genverändertem Saatgut entfernen die genmanipulierte Saat und säen anschließend natürliche Saat auf den Feldern aus). Derartiges wohlwollend-gerechtes Streiten regt andere Menschen und die Öffentlichkeit dazu an, ebenfalls tätig zu werden („Mitschwingen“). So kann bei den vorrangig Verantwortlichen innerer Druck entstehen, den Weg des Unrechts zu verlassen und bei der Behebung des Missstandes mitzuwirken. Das wird eher wahrscheinlich, wenn sie nicht in ihrer Person angegriffen werden und sich von den Betroffenen nicht persönlich bedroht fühlen (gewaltfreies Vorgehen). Falls die Unterstützer des Missstandes zu Gegenmaßnahmen greifen, ist die fünfte Schwierigkeitsstufe erreicht.

  • Fünfte Stufe: (Eskalation II)

Ausdauer, Vorbereitung und Erhöhung des Einsatzes. Die Aktiven bereiten sich rechtzeitig darauf vor, mit Schmerzen und Schädigungen so umzugehen, dass die aktive Ablehnung des Unrechts nicht in Hass und Kampfbereitschaft gegen die Verursacher der Schädigung umschlägt. Workshops oder Seminare zur Persönlichkeitsbildung helfen dabei, Möglichkeiten zu finden und einzuüben, wie sich Wohlwollen und Dialogbereitschaft auch unter erschwerten Bedingungen aufrechterhalten lassen. Zur Vorbereitung gehört außerdem die Entwicklung methodischer Fähigkeiten bis hin zu konkreten Vorbereitungs- und Vorsorgemaßnahmen bei Gütekraft-Aktionen (herkömmlich gewaltfreie Aktionen genannt). Auch können Aktivitäten wichtig sein, die die eigene Seite an die gütekräftige Vorgehensweise erinnern. Als beispielsweise die jahrelangen, zu weltweiter Solidarität führenden Bemühungen für die Rechte der mexikanischen Landarbeiter in Kalifornien 1968 durch brutale Gegenmaßnahmen der Unternehmer an einen kritischen Punkt kamen und in Gewalt umzuschlagen drohten, fastete der Gewerkschaftsführer Cesar Chavez 25 Tage. Das führte in der Bewegung zu einem neuen Aufbruch und zu wachsender Unterstützung immer breiterer Kreise aus allen Teilen der USA. Wenn die vorrangig Verantwortlichen zu extremen gewaltsamen Gegenmaßnahmen bereit sind, können freiwillige wohlwollend-gerecht-streitbare Aktionen zeigen, dass die Engagierten auch zu hohem Einsatz bereit sind und sich nicht einschüchtern lassen. Durch diesen Einsatz der Engagierten wird bei den vorrangig Verantwortlichen ihr eigener Drang zu Wahrheit und Menschlichkeit intensiv angesprochen. Dadurch können bei ihnen innere Zwiespältigkeit und innerer Druck entstehen oder wachsen, so dass sich etwa bei Konfrontationen einzelne oder mehrere Personen aus ihrer Gruppe mit den Engagierten solidarisch erklären und auch zum Abbau des Missstands beitragen, anstatt ihn weiter zu stützen. So kann der Missstand, wenn nötig durch weitere Gütekraft-Aktionen, schließlich behoben werden. Falls dies nicht geschieht, weil für den Missstand verantwortliche Schlüsselpersonen immer noch unzugänglich bleiben, ist die sechste Stufe erreicht.

  • Sechste Stufe: (Eskalation III)

Massenhafte Nicht-Zusammenarbeit, ziviler Ungehorsam und Aufbau von Alternativen. Ein (Unrechts-)System und ein Missstand können nur dann weiter bestehen, wenn Menschen sie unterstützen. Tun sie das nicht mehr, kommt das System ins Wanken. Immer mehr Personen, die die Machtausübung der Schlüsselpersonen stützen, werden mit der Ansteckungskraft der Güte dazu angeregt, ihre Unterstützung des Unrechtssystems aufzukündigen. Dafür organisieren die Engagierten Nichtzusammenarbeit und den Aufbau von Alternativen. Möglichkeiten sind z. B. die Rückgabe von Ämtern, Boykott, Streik, Generalstreik, massenhafte Befehls-, Kriegsdienst- und Steuerverweigerung sowie die Besetzung von Gebäuden und Einrichtungen. Zum Aufbau von Alternativen können z. B. die Besetzung und Umwidmung von Gebäuden oder der Entwurf einer neuen Verfassung beitragen. Ohne den Aufbau besserer Strukturen ist die nachhaltige und dauerhafte Beseitigung eines Missstandes nur schwer möglich. Die beschriebenen Gütekraft-Aktionen können sehr mächtig sein und heftige Gegenreaktionen hervorrufen, durch die das Risiko steigt, dass die Konfrontation in gewalttätige Auseinandersetzungen abdriftet. So werden die Gefährdung von Menschenleben und die Unterdrückung der Engagierten und ihres Anliegens wahrscheinlicher. Darum halten auch bei derartigen Aktionen die Engagierten den Appell-Charakter und die Dialogbereitschaft im Vordergrund, worauf zumindest die führenden Personen des gütekräftigen Einsatzes sorgfältig achten. Das Ziel „Machtentzug“ als Handlungsmotiv überwiegt nicht den Appell und verselbständigt sich nicht. Die Nichtzusammenarbeit höhlt fortschreitend die Macht der Schlüsselpersonen aus. Sie kann bis zu deren völliger Entmachtung gesteigert werden, so dass sie entweder vorher einlenken oder ihre Macht aufgeben – wie eine Reihe von Beispielen gütekräftiger Beendigung von Diktaturen zeigt. [7]

Grundelemente der Wirkungsweise: Eigentätigkeit, Mitschwingen, Nichtzusammenarbeit Bei gütekräftigem Handeln sprechen die Engagierten aus ihrer Neigung zu Wohlwollen und Gerechtigkeit heraus andere so an, dass diese sich in ihrem Handeln ebenfalls von ihrer eigenen, vielleicht kaum bewussten Neigung zu Wohlwollen und Gerechtigkeit leiten lassen.


Dabei spielen vor allem folgende Elemente eine Rolle:

Eigentätigkeit: Gütekräftig Handelnde konzentrieren sich zunächst auf ihre eigene Mitverantwortung an einem Missstand: Sie suchen nach Möglichkeiten, wie sie selber den Missstand abbauen oder dazu beitragen können, und setzen sie um. Wenn dies nicht ausreicht, suchen sie nach Wegen, die Unterstützung anderer zum Abbau des Missstandes zu erhalten. Das engagierte Vorbild und die wohlwollende Haltung stecken andere an. Martin Arnold spricht von Mitschwingen. Mitschwingen: Andere Menschen werden durch das Vorangehen engagierter Personen zu Solidarität und Unterstützung angeregt. Dadurch wird eine positive Dynamik in Gang gesetzt, eine „Engelsspirale der Gütekraft“ (im Gegensatz zum „Teufelskreis der Gewalt“).

Nichtzusammenarbeit: Wenn nach breitem und intensivem Einsatz und so entstandenem öffentlichem Druck wichtige Schlüsselpersonen sich immer noch weigern, am Abbau des Missstands mitzuwirken, wird deren Macht durch organisierte Nichtzusammenarbeit untergraben. Der Erfolg wird durch die Teilnahme von immer mehr Menschen, durch massenhaftes Mitschwingen, möglich.

Günstige Persönlichkeitsmerkmale Es gibt verschiedene Eigenschaften, die für gütekräftiges Vorgehen hilfreich sind. Neben einer Grundhaltung des Wohlwollens sind dies vor allem Mut, Ausdauer und Beharrlichkeit sowie Offenheit und die Bereitschaft zum Dialog. Wichtig sind auch Empathie und die Fähigkeit, die Standpunkte, Wahrheiten und positiven Eigenschaften von anderen wahrzunehmen. Diese Fähigkeiten sind möglicherweise nicht alle von Anfang an vorhanden, können aber durch Persönlichkeitsbildung entwickelt werden. Diese Aufgabe gehört zum gütekräftigen Empowerment.

Empowerment Die Offenheit für Neues einschließlich der Bereitschaft zur Persönlichkeitsentwicklung ist Voraussetzung für gütekräftiges, wohlwollend-gerechtes Streiten. Beim Empowerment stärken die Engagierten ihre Kraft und ihre Einsatzbereitschaft, indem sie die nötigen Fähigkeiten zum Widerstand und zum Aufbau konstruktiver Alternativen entwickeln. Das notwendige Lernen bezieht sich sowohl auf die Grund-Haltungen und -Überzeugungen wie auch auf die Kompetenz, die Methoden auszuwählen und anzuwenden, die der jeweiligen Situation angemessen sind. Für Hildegard Goss-Mayr ist der erste Schritt in diesem Empowerment die Notwendigkeit, die Kraft der Gewaltfreiheit in sich selbst zu entdecken. Goss-Mayr spricht davon, „der Liebe in sich mehr Raum zu geben“. Sich die Kraft im Eigenen bewusst zu machen, kann Einzelnen und Gruppen helfen, für den Abbau des aktuellen Missstands Kosten und Risiken in Kauf zu nehmen und eine eventuell vorhandene Opferhaltung abzulegen. Wer sich der eigenen Gütekraft bewusst ist, traut sie auch anderen leichter zu, entwickelt Empathie und vertraut auf ihre Neigung zu Wohlwollen und Gerechtigkeit. Bei den Methoden ist die Analyse der Situation der Ausgangspunkt (vgl. z. B. das Analysedreieck bei Hildegard Goss-Mayr, 2004). Was genau ist der Missstand? Welches sind die Faktoren und die Personengruppen, die zur Aufrechterhaltung des Missstandes beitragen? Mit welchen Gruppen gibt es Gemeinsamkeiten? [8] Damit kommen Ansatzpunkte für Aktivitäten und Ansprechpartner in den Blick. Je nach Situation können viele weitere Fähigkeiten wichtig sein, von der Öffentlichkeitsarbeit über Fundraising für die solidarische Unterstützung Betroffener bis zu Projekt- und Kampagnenmanagement.


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