Medien verschweigen Papst-Kritik an NATO-Aufrüstung: "Waffen führen nicht zu Frieden und Sicherheit"

Papst Franziskus: "Ich habe mich geschämt, als ich vom Entschluss einiger Regierungen las, als Antwort auf den Krieg zwei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung in den Kauf von Waffen zu stecken", erklärte der Papst. "Verrückt" sei das, fuhr er fort: Noch mehr Waffen und Sanktionen seien nicht die Lösung.


Wenn der Papst beim Ukraine-Krieg totgeschwiegen wird Der Pontifex kritisiert die Aufstockung der Rüstungsausgaben der Nato-Staaten auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Doch die meisten Medien verschweigen die Nachricht Dominik Straub aus Rom 31. März 2022, 14:16 Papst Franziskus hat sich kein Blatt vor den Mund genommen. "Ich habe mich geschämt, als ich vom Entschluss einiger Regierungen las, als Antwort auf den Krieg zwei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung in den Kauf von Waffen zu stecken", erklärte der Papst. "Verrückt" sei das, fuhr er fort: Noch mehr Waffen und Sanktionen seien nicht die Lösung. Noch nie hat ein Pontifex der katholischen Kirche mit derart deutlichen Worten gegen die Aufrüstung Stellung bezogen – nicht einmal Benedikt XV., der im Jahr 1917 auf dem Höhepunkt des Ersten Weltkriegs in seinem Brief an die Staatsoberhäupter der beteiligten Konfliktparteien den Krieg als "unnützes Gemetzel" bezeichnete.

Starker Tobak also. Und angesichts der schrecklichen Aktualität des Krieges eine durchaus interessante Nachricht, die sich, sollte man meinen, in Windeseile über den ganzen Globus verbreiten würde. Immerhin ist der Papst Oberhaupt einer Kirche mit 1,2 Milliarden Gläubigen. Aber nichts dergleichen geschah: Selbst in Italien, dem Mutterland des Katholizismus, wurde die Meldung von den meisten Medien verschwiegen oder weit hinten als kleine Randnotiz untergebracht. Selbst der deutschsprachige Dienst von Vatican News, das ehemalige Radio Vatikan, versteckte die Nachricht in einem Bericht mit dem Titel: "Papst traut Frauen zu, Grundmuster der Politik zu verändern". Conte zitiert den Papst Zum Thema wird in Italien aber auch zunehmend die Kriegsberichterstattung der sogenannten Leitmedien wie Rai, "Corriere della Sera" und "La Repubblica" und deren zum Teil schon irritierend weit fortgeschrittene Gleichschaltung und Intoleranz gegen kritische Stimmen. Man höre, schreibt der Publizist Michele Serra, "gehässige Töne gegenüber denjenigen, die bezüglich der Osterweiterung der Nato Zweifel anmelden, und gegenüber denjenigen, die nicht glauben, dass das Pentagon von Natur aus das 'Hauptquartier des Guten' ist". Die Einteilung der Welt in Verbündete und Feinde sei typisch für Diktaturen. Demokratien dagegen müssten die Mühsal des Diskurses und der Dialektik auf sich nehmen – nur dann seien sie Demokratien. Aber gleichzeitig glaubt Franziskus nicht, dass der Kauf von immer mehr Waffen mehr Frieden und mehr Sicherheit garantieren könne. Vielmehr, sagt der Papst, "beschmutzt er die Seelen, die Herzen und die Menschheit". Aber das will im Moment offenbar niemand hören. (Dominik Straub aus Rom, 31.3.2022)

Wenn der Papst beim Ukraine-Krieg totgeschwiegen wird - Ukraine - derStandard.de › International


Am 24. März kamen in Brüssel die Führer der NATO-Staaten zusammen und drohten dem Gegner mit neuen „Sanktionen“. Sie beschlossen weitere extreme Rüstungsmaßnahmen (mindestens 2% des Bruttoinlandsprodukts) und massive Waffenlieferungen in das osteuropäische Kriegsgebiet.

Am selben Tag hielt das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Franziskus, in Rom eine Rede, in der er über die Ukraine und die Politik der NATO-Staaten folgendermaßen urteilte:

„Ich schäme mich für die Staaten, die die Militärausgaben auf 2% anheben, sie sind verrückt!

Die wahre Antwort besteht nicht in anderen Waffen, anderen Sanktionen, anderen politisch-militärischen Allianzen, sondern in einer anderen Einstellung, einer anderen Weise, eine bereits globalisierte Welt zu verwalten, darin, nicht die Zähne zu zeigen, sondern internationale Beziehungen zu knüpfen.

Es ist ersichtlich, dass eine gute Politik nicht aus einer Kultur der Macht erwachsen kann, die als Herrschaft und Unterdrückung verstanden wird, sondern nur aus einer Kultur der Achtsamkeit, der Achtsamkeit für den Menschen und seine Würde, und der Achtsamkeit für unser gemeinsames Haus. Dies beweist sich, leider negativ, durch den beschämenden Krieg, dessen Zeugen wir sind.

Ich denke, dass es für jene von Euch, die meiner Generation angehören, unerträglich ist, zu sehen, was geschah und was in der Ukraine geschieht. Doch dies ist leider die Frucht der alten Logik der Macht, die die sogenannte Geopolitik noch immer dominiert.

Regionale Kriege hat es die ganze Zeit gegeben, hier und dort, wir befinden uns seit einer Weile in einem "Dritten Weltkrieg auf Raten", und nun stehen wir vor einer Dimension, die die gesamte Welt bedroht. Und das Grundproblem ist immer das gleiche:

Die Welt wird weiterhin wie ein "Schachbrett" behandelt, wo die Mächtigen die Züge studieren, um ihre Vorherrschaft zum Schaden der anderen auszudehnen.

[Il Fatto Quotidiano vom 24/03/2022]

Da über diese Rede in den deutschen Medien gar nicht, nur verkürzt, entstellt oder marginalisiert berichtet wird, bitte ich um möglichst weite Verbreitung.

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