Russland macht Frankreich und dem Westen Einfluss und Kontrolle der Rohstoffe in Mali streitig

Aktualisiert: Sept 16

Frankreichs Außenminister: Wir sind in Mali und werden es sicher auch noch Monate und Jahre sein. Frankreich sieht Malis als ihren Einflussbereich an. Der westliche Militäreinsatz hat Doch Malis neue Regierung sucht jetzt nach anderen Partnern. Frankreichs Politik setzt alle Hebel in Bewegung, um private russische Sicherheitsdienste in Mali zu verhindern. Die einstige Kolonialmacht betrachtet den Wüstenstaat bis heute als Einflusssphäre. Nun macht Russland Paris die Macht streitig – und die Bodenschätze


Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat die Fortsetzung des Bundeswehreinsatzes in Mali infrage gestellt: „Sollte sich die Zusammenarbeit von Mali mit russischen Söldnergruppen bestätigen, stellt das die Grundlagen des Mandats der Bundeswehr in Frage und gemeinsam mit dem Bundestag müssten wir Konsequenzen ziehen“, schrieb sie auf Twitter. Die CDU-Politikerin bezog sich auf Berichte, wonach die mit einem Putsch in Mali an die Macht gekommene Militärführung eine Vereinbarung mit der russischen Söldnerfirma Wagner unterzeichnen wolle. Deutschland ist in Mali an zwei internationalen Einsätzen beteiligt: Rund 880 Bundeswehrsoldaten sind Teil der UN-Truppe Minusma. Für die EU-Ausbildungsmission EUTM stellt die Bundeswehr aktuell rund 110 Männer und Frauen. Frankreich stellt seine Militärpräsenz in Mali für den Fall eines militärischen Eintretens Russlands in dem westafrikanischen Land auf den Prüfstand. Wie die Zeitung „Le Figaro“ am Mittwoch berichtete, prüft Frankreich eine Verlegung seiner Truppen von Mali in das Nachbarland Niger, falls Truppen der russischen Söldnerfirma Wagner in Mali tatsächlich zum Einsatz kommen sollten. Für Frankreich stelle dies eine rote Linie dar. Auch die Amerikaner würden dann ihr Engagement vor Ort abbrechen, was Frankreich Grundlagen für seinen Einsatz entziehe und weitere europäische Länder zur Beendigung ihres Engagements bewegen könnte, schrieb „Le Figaro“ unter Verweis auf französische Quellen. Bereits am Vortag hatten sich Frankreichs Verteidigungsministerin Florence Parly und Außenminister Jean-Yves Le Drian im Verteidigungsausschuss der Nationalversammlung besorgt über mögliche russische Söldnertruppen in Mali geäußert. „Wir sind in Mali und bleiben es sicher auch in den kommenden Monaten und Jahren“, hatte Parly betont.

Russische Söldner in Mali: Kramp-Karrenbauer stellt Bundeswehr-Einsatz infrage - WELT


aus dem Standard:

Malis Militärregierung steht offenbar kurz vor der Unterzeichnung einer Vereinbarung mit der russischen Söldnergruppe Wagner, die den Einsatz von bis zu 1.000 bezahlten Legionären im Kampf gegen islamistische Extremisten in dem westafrikanischen Krisenstaat vorsieht. Der Plan sorge in europäischen Diplomatenkreise für helle Aufregung, meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zahlreiche Fachleute: In Mali sind außer mehreren tausend französischen Fremdenlegionären auch weit über tausend deutsche Bundeswehrsoldaten stationiert.


Dem Reuters-Bericht zufolge soll die Gruppe Wagner für ihre Dienste mehr als zehn Millionen US-Dollar monatlich erhalten. Dazu gehöre unter anderem der persönliche Schutz des Präsidenten sowie die Ausbildung malischer Soldaten – sie wurden bisher von der europäischen Ausbildungsmission in Mali (EUTM) trainiert. Seit dem malischen Militärcoup im Mai ist die Mission suspendiert. Was im Fall eines Vertragsabschlusses zwischen der malischen Regierung und der Gruppe Wagner geschieht, müsse die Politik beantworten, heißt es von der Bundeswehr.

Paris gegen Moskau

Derzeit setze vor allem Frankreich alle diplomatischen Hebel in Bewegung, um den Söldnerdeal zu stoppen, meldet Reuters: Paris habe bereits Emissäre nach Moskau und Bamako gesandt. Mit der über 5.000-köpfigen Barkhane-Truppe hat Frankreich in der unruhigen Sahelzone mehr Soldaten als jede andere Nation stationiert. Paris betrachtet die ehemalige Kolonie als seinen Einflussbereich. Schließlich hatte Frankreich im Jänner 2012 mehr als zehntausend Soldaten nach Mali geschickt, nachdem die nördliche Hälfte des Landes von extremistischen Islamisten besetzt worden war. Deren oberflächliche Vertreibung gelang den französischen Legionären schnell – doch die Umtriebe der abgetauchten Extremisten vermochte sie nicht zu stoppen. Vor allem im Grenzgebiet zwischen Mali, Burkina Faso und dem Niger fallen den Unruhen derzeit mehr Menschen denn je zuvor zum Opfer.

Auch deshalb wird in Paris schon seit Monaten laut über eine Verringerung der militärischen Präsenz nachgedacht: Europäische Partner wie Deutschland sollten einen größeren Anteil übernehmen, heißt es in französischen Regierungskreisen. In Mali selbst werden Frankreichs Andeutungen als Bedrohung wahrgenommen: Die französische "Schutzmacht" könne das Interesse an ihrem afrikanischen Schützling genauso verlieren wie die amerikanische in Afghanistan, wird in Bamako befürchtet. In den Straßen der Hauptstadt kommt es immer öfter zu antifranzösischen Protesten, während die Militärregierung Paris die überraschend klare Distanzierung von den Putschisten vorwirft.


Abschreckendes Beispiel

General Assimi Goïta, der innerhalb eines Jahres gleich zweimal eine Regierung stürzte, weiß um die Achillesferse Frankreichs: den Konkurrenzkampf zwischen Paris und Moskau um politischen Einfluss und den Zugang zu afrikanischen Rohstoffvorkommen. Frankreich musste in der Zentralafrikanischen Republik eine empfindliche Niederlage einstecken: Dort setzten sich Moskau und seine "private" Gruppe Wagner als Vertrauenspartner des angeschlagenen Präsidenten Faustin Archange Touadéra durch. Die Söldnertruppe lässt sich den Einsatz ihrer bis zu 2.000 "Militärberater" über den Zugang zu den Diamantenvorkommen im Nordosten des Landes bezahlen. Ein ähnliches Arrangement könnte auch im goldreichen Mali getroffen worden sein.

Die Gruppe Wagner breitet sich seit mehreren Jahren immer weiter über Afrika aus: Sie war mit über 2.000 Söldnern am libyschen Bürgerkrieg beteiligt, versuchte den inzwischen gestürzten sudanesischen Diktator Omar al-Bashir zu stützen, kämpfte gegen islamistische Extremisten im Norden Mosambiks und schützt die Interessen von Minenunternehmen im Kongo oder in Madagaskar. Der Vorstoß Russlands in Afrika ist in der Regel auch mit größeren Waffengeschäften verbunden: 16 Prozent des russischen Waffenhandels werden mit afrikanischen Regierungen bestritten.

https://www.derstandard.at/story/2000129648848/warum-frankreich-keine-russischen-soeldner-in-mali-akzeptiert


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