Marx lag richtig: Ihr habt nichts zu verlieren, als Eure Ketten! Ihr könnt aber die Welt verändern!

Klimazerstörung, Artenvernichtung, Pandemien als Folge der Zerstörung von Naturräumen, wachsende Armut trotz immer mehr globalem Reichtum, ja sogar eine wachsenden Zahl von Hungernden und Verhungernden in den armen Ländern, Verschleuderung der öffentlichen Mittel für militärische Aufrüstung und das Krieg-Führen, statt für den Umbau zu einer nachhaltigen sozialen Wirtschaftsweise, das Risiko eines Atomkrieges durch das Ringen des Westens, die Welt weiter dominieren zu können, statt sich am Aufbau einer gleichberechtigte Welt mit Russland, China, Indien, Japan und allen anderen Ländern zu beteiligen, die wachsende Perspektivlosigkeit der jungen Leute, die Extremisten - auch im Westen, den USA und Europa - zum Rekrutieren von Anhängern nutzen und das die kulturellen und demokratischen Errungenschaften gefährden. Anders als viele glauben und die Herrschenden in diesen Systemen behauptet haben, kann er nicht mit den Systemen in eins gesetzt werden, die sich auf ihn berufen haben, denn er hat immer gesagt: Ich sage Euch nicht, wie ihr den Sozialismus aufbauen sollt und wie er aussehen kann, das müsst Ihr selbst machen. Er hat uns nur nachgewiesen, dass die im kapitalistischen Wirtschaftssystem herrschenden Zwänge dazu führen werden, dass Mensch und Natur zerstört werden und die Menschen in ihm ihr Schicksal nicht kontrollieren können. Lassen wir uns diese wichtigen Gedanken nicht nehmen, ohne uns deshalb notwendig selbst als Marxisten zu verstehen; er war nur einer von vielen wichtigen Denkern. "Was mich betrifft: Ich bin kein Marxist" erklärte Karl Marx selbst, weil es im darauf ankam nicht Persönlichkeiten zu fördern, die "Führern" oder Vordenkern hinterherlaufen und ihre eigene Verantwortung an sie delegieren, sondern sich zu selbständig denkenden Persönlichkeiten zu entwickeln. Für die bisherigen "sozialistischen Projekte" jedenfalls ist nicht Marx verantwortlich, sondern die Parteien und Politiker, die sie organisiert haben.

Karl Marx mahnte vor über 150 Jahren beim ersten internationalen Kongress der europäischen und US-Amerikanischen Arbeiterbewegung: Werdet aktiv, schließt Euch zusammen, in jedem Land und international: Ihr habt nichts als Eure Ketten zu verlieren, aber ihr könnt eine Welt gewinnen und Euch selbst befreien. Heute stimmt der Satz noch mehr als 1864: Wenn wir es nicht schaffen, die derzeit vorherrschenden politischen Strömungen abzulösen, haben wir als Menschheit keine Zukunft: Klimazerstörung, Artenvernichtung, wachsende Armut trotz immer mehr globalem Reichtum, ja sogar eine wachsenden Zahl von Hungernden und Verhungernden in den armen Ländern, Verschleuderung der öffentlichen Mittel für militärische Aufrüstung und das Krieg-Führen, statt für den Umbau zu einer nachhaltigen sozialen Wirtschaftsweise, das Risiko eines Atomkrieges durch das Ringen des Westens, die Welt weiter dominieren zu können, statt sich am Aufbau einer gleichberechtigte Welt mit Russland, China, Indien, Japan und allen anderen Ländern zu beteiligen, die wachsende Perspektivlosigkeit der jungen Leute, die Extremisten - auch im Westen, den USA und Europa - zum Rekrutieren von Anhängern nutzen: Es wird böse enden, wenn wir jetzt nicht beginnen, als Gesellschaft zu lernen, unsere Gesellschaft den Privilegierten aus den Händen zu nehmen, die sie für ihre Interessen organisieren und unser aller Zukunft dabei zerstören.

Marx war nicht der/die einzige Denker*in, der uns mahnte, die Welt in unsere eigenen Hände zu nehmen und uns den Ratschlag gegeben hat, selbst aktiv zu werden:






und nun zu den konkreten Vorschlägen, wie ich sie in Karl Marx Schriften verstanden habe. Anders als viele glauben, kann er nicht mit den Systemen in eins gesetzt werden, die sich auf ihn berufen haben, denn er hat immer gesagt: Ich sage Euch nicht, wie ihr den Sozialismus aufbauen sollt und wie er aussehen kann, das müsst Ihr selbst machen. Er hat uns nur nachgewiesen, dass die im kapitalistischen Wirtschaftssystem herrschenden Zwänge dazu führen werden, dass Mensch und Natur zerstört werden und die Menschen in ihm ihr Schicksal nicht kontrollieren können.


Setzt eine Wirtschaftsweise durch, die auf Einsicht und Vorsicht setzt, nicht auf die Jagd nach Profit. Dafür müsst Ihr die Demokratie durchsetzen um als Gesellschaft die Wirtschaft unter Eure Kontrolle zu bekommen.

Zuerst mit der Durchsetzung von Schutzgesetzen für Mensch und Natur. Organisiert auch eigene gemeinschaftliche Projekte des solidarischen Wirtschaftens. Ringt um eine nationale und globale Wirtschaftspolitik, um diese solidarische Wirtschaft nicht nur in Projektinseln zu lassen. Studiert die internationalen Beziehungen, die Politik und Interessen, die dahinter stehen, mischt Euch ein für eine faire Außenpolitik und faire Außenbeziehungen, engagiert Euch für die Überwindung nationaler und fremdenfeindlicher Vorurteile gegeneinander, denn ihr werdet Eure Zukunft nur weltweit gemeinsam sichern können. Baut ein weltweites Netzwerk der Geschwisterlichkeit auf, lernt mit und voneinander, wie ihr die Welt gestalten könnt und wie ihr Eure große Zahl so einbringen könnt, dass ihr Eure Ziele, die Gestaltung der Wirtschaft mit Einsicht und Vorsicht für die Bedürfnisse aller Menschen politisch durchsetzen könnt.

meine Interpretation der Gedanken von Karl Marx, gestützt vor allem auf diese Schrift, die letzte Seite kopiere ich hier ein:

(Wolfgang Lieberknecht)


Die Auszüge des folgenden Entschlusses des Gründungskongressen der Internationalen Arbeiterassoziation stammen aus der von Marx entworfenen Inauguraladresse:


....sondern daß vielmehr umgekehrt, auf der gegenwärtigen falschen Grundlage, jede frische Entwicklung der Produktivkräfte der Arbeit dahin streben muß, die sozialen Kontraste zu vertiefen und den sozialen Gegensatz zuzuspitzen. Während dieser „berauschenden Epoche“ ökonomischen Fortschritts hob sich der Hungertod beinahe zum Range einer Institution in der Hauptstadt des Britischen Reichs. In den Annalen des Weltmarkts ist dieselbe Epoche gekennzeichnet durch die raschere Wiederkehr, den erweiterten Umfang und die tödlichere Wirkung der gesellschaftlichen Pest, die man industrielle und kommerzielle Krise heißt.

Nach dem Fehlschlag der Revolutionen von 1848 wurden auf dem Kontinent alle Parteiorganisationen und Parteijournale der arbeitenden Klasse von der eisernen Hand der Gewalt unterdrückt, die fortgeschrittensten Söhne der Arbeit flohen in Verzweiflung nach der transatlantischen Republik, und der kurzlebige Traum der Emanzipation zerrann vor einer Epoche von fieberhaftem Industrialismus, moralischem Marasmus und politischer Reaktion. Die Niederlagen der kontinentalen Arbeiterklassen, wozu die diplomatische Einmischung des britischen Kabinetts, damals wie jetzt im brüderlichen Bund mit dem Kabinett von St. Petersburg, nicht wenig beitrug, verbreitete ihre ansteckende Wirkung bald diesseits des Kanals. Während der Untergang der kontinentalen Arbeiterbewegung die britische Arbeiterklasse entmannte und ihren Glauben in ihrer eignen Sache brach, stellte er das bereits etwas erschütterte Vertrauen der Landlords und der Geldlords wieder her. Bereits öffentlich angekündigte Konzessionen wurden mit absichtlicher Insolenz zurückgezogen. Die Entdeckung neuer Goldlande führte kurz darauf zu einem ungeheuren Exodus, der unersetzliche Lücken in den Reihen des britischen Proletariats hinter sich ließ. Andre seiner früher tätigsten Glieder, durch den Köder größerer Beschäftigung und augenblicklicher Lohnerhöhung bestochen, „trugen den bestehenden Verhältnissen Rechnung“. Alle Versuche, die Chartistenbewegung aufrechtzuerhalten oder neu zu gestalten, scheiterten vollständig, alle Preßorgane der Arbeiterklasse starben, eins nach dem andern, an der Apathie der Masse, und in der Tat, nie zuvor schien die englische Arbeiterklasse so ausgesöhnt mit einem Zustand politischer Nichtigkeit. Hatte daher zwischen den britischen und den kontinentalen Arbeiterklassen keine Gemeinsamkeit der Aktion existiert, so existierte jetzt jedenfalls eine Gemeinsamkeit der Niederlage.

Und dennoch war die Periode von 1848 bis 1864 nicht ohne ihre Lichtseite. Hier seien nur zwei große Ereignisse erwähnt. Nach einem dreißigjährigen Kampf, der mit bewundrungswürdiger Ausdauer geführt ward, gelang es der englischen Arbeiterklasse durch Benutzung eines augenblicklichen Zwiespalts zwischen Landlords und Geldlords, die Zehnstundenbill durchzusetzen. Die großen physischen, moralischen und geistigen Vorteile, die den Fabrikarbeitern aus dieser Maßregel erwuchsen und die man in den Berichten der Fabrikinspektoren halbjährig verzeichnet findet, sind jetzt von allen Seiten anerkannt. Die meisten kontinentalen Regierungen nehmen das englische Fabrikgesetz in mehr oder minder veränderter Form an, und in England selbst wird seine Wirkungssphäre jährlich vom Parlament ausgedehnt. Aber von der praktischen Wichtigkeit abgesehen, hatte der Erfolg dieser Arbeitermaßregel eine andre große Bedeutung. Die Mittelklasse hatte durch die notorischsten Organe ihrer Wissenschaft, durch Dr. Ure, Professor Senior und andre Weisen von diesem Schlag, vorhergesagt und nach Herzenslust demonstriert, daß jede gesetzliche Beschränkung der Arbeitszeit die Totenglocke der englischen Industrie läuten müsse, einer Industrie, die vampirmäßig Menschenblut saugen müsse, vor allem Kinderblut. In alten Zeiten war der Kindermord ein mysteriöser Ritus der Religion des Moloch, aber er ward nur bei besonders feierlichen Gelegenheiten praktiziert, vielleicht einmal im Jahr, und zudem hatte Moloch keine besondere Liebhaberei für die Kinder der Armen.

Der Kampf über die gesetzliche Beschränkung der Arbeitszeit wütete um so heftiger, je mehr er, abgesehen von aufgeschreckter Habsucht, in der Tat die große Streitfrage traf, die Streitfrage zwischen der blinden Herrschaft der Gesetze von Nachfrage und Zufuhr, welche die politische Ökonomie der Mittelklasse bildet, und der Kontrolle sozialer Produktion durch soziale Ein- und Vorsicht, welche die politische Ökonomie der Arbeiterklasse bildet. Die Zehnstundenbill war daher nicht bloß eine große praktische Errungenschaft, sie war der Sieg eines Prinzips. Zum erstenmal erlag die politische Ökonomie der Mittelklasse in hellem Tageslicht vor der politischen Ökonomie der Arbeiterklasse.

Ein noch größerer Sieg der politischen Ökonomie der Arbeit über die politische Ökonomie des Kapitals {1} stand bevor. Wir sprechen von der Kooperativbewegung, namentlich den Kooperativfabriken, diesem Werk {2} weniger kühnen „Hände“ (hands). Der Wert dieser großen Experimente kann nicht überschätzt werden. Durch die Tat, statt durch Argumente, bewiesen sie, daß Produktion auf großer Stufenleiter und im Einklang mit dem Fortschritt moderner Wissenschaft vorgehen kann ohne die Existenz einer Klasse von Meistern (masters), die eine Klasse von „Händen“ anwendet; daß, um Früchte zu tragen, die Mittel der Arbeit nicht monopolisiert zu werden brauchen als Mittel der Herrschaft über und Mittel der Ausbeutung gegen den Arbeiter selbst, und daß wie Sklavenarbeit, wie Leibeigenenarbeit so Lohnarbeit nur eine vorübergehende und untergeordnete gesellschaftliche Form ist, bestimmt zu verschwinden vor der assoziierten Arbeit, die ihr Werk mit williger Hand, rüstigem Geist und fröhlichen Herzens verrichtet. In England wurde der Samen des Kooperativsystems von Robert Owen ausgestreut; die auf dem Kontinent versuchten Arbeiterexperimente waren in der Tat der nächste praktische Ausgang der Theorien, die 1848 nicht erfunden, wohl aber laut proklamiert wurden.

Zur selben Zeit bewies die Erfahrung der Periode von 1848 bis 1864 unzweifelhaft, was die intelligentesten Führer der Arbeiterklasse in den Jahren 1851 und 1852 gegenüber der Kooperativbewegung in England bereits geltend machten, daß, wie ausgezeichnet im Prinzip und wie nützlich in der Praxis, kooperative Arbeit, wenn beschränkt auf den engen Kreis gelegentlicher Versuche vereinzelter Arbeiter, unfähig ist, das Wachstum des Monopols in geometrischer Progression aufzuhalten, die Massen zu befreien, ja die Wucht ihres Elends auch nur merklich zu erleichtern. Es ist vielleicht gerade dies der Grund, warum plausible Lords, bürgerlich-philanthropische Salbader und ein paar trockne politische Ökonomen jetzt mit demselben Kooperativsystem schöntun, das sie früher in seinem Keim zu ersticken versucht hatten, das sie verhöhnt hatten als die Utopie des Träumers und verdammt hatten als die Ketzerei des Sozialisten. Um die arbeitenden Massen zu befreien, bedarf das Kooperativsystem der Entwicklung auf nationaler Stufenleiter und der Förderung durch nationale Mittel. Aber die Herren von Grund und Boden und die Herren vom Kapital werden ihre politischen Privilegien stets gebrauchen zur Verteidigung und zur Verewigung ihrer ökonomischen Monopole. Statt die Emanzipation der Arbeit zu fordern, werden sie fortfahren, ihr jedes mögliche Hindernis in den Weg zu legen. Lord Palmerston sprach aus ihrer Seele, als er in der letzten Parlamentssitzung den Verteidigern der Rechte der irischen Pächter höhnend zuschrie: „Das Haus der Gemeinen ist ein Haus von Grundeigentümern!“

Politische Macht zu erobern ist daher jetzt die große Pflicht der Arbeiterklassen. Sie scheinen dies begriffen zu haben, denn in England, Frankreich, Deutschland und Italien zeigt sich ein gleichzeitiges Wiederaufleben und finden gleichzeitige Versuche zur Reorganisation der Arbeiterpartei statt. Ein Element des Erfolges besitzt sie, die Zahl. Aber Zahlen fallen nur in die Waagschale, wenn Kombination sie vereint und Kenntnis sie leitet. Die vergangene Erfahrung hat gezeigt, wie Mißachtung des Bandes der Brüderlichkeit, welches die Arbeiter der verschiedenen Länder verbinden und sie anfeuern sollte, in allen ihren Kämpfen für Emanzipation fest beieinanderzustehen, stets gezüchtigt wird durch die gemeinschaftliche Vereitlung ihrer zusammenhangslosen Versuche. Es war dies Bewußtsein, das die Arbeiter verschiedener Länder, versammelt am 28. September 1864 in dem öffentlichen Meeting zu St. Martin’s Hall, London, anspornte zur Stiftung der Internationalen Assoziation.

Eine andere Überzeugung beseelte jenes Meeting.

Wenn die Emanzipation der Arbeiterklassen das Zusammenwirken verschiedener Nationen erheischt, wie jenes große Ziel erreichen mit einer auswärtigen Politik, die frevelhafte Zwecke verfolgt, mit Nationalvorurteilen ihr Spiel treibt und in piratischen Kriegen des Volkes Blut und Gut vergeudet? Nicht die Weisheit der herrschenden Klassen, sondern der heroische Widerstand der englischen Arbeiterklasse gegen ihre verbrecherische Torheit bewahrte den Westen Europas vor einer transatlantischen Kreuzfahrt für die Verewigung und Propaganda der Sklaverei. Der schamlose Beifall, die Scheinsympathie oder idiotische Gleichgültigkeit, womit die höheren Klassen Europas dem Meuchelmord des heroischen Polen und der Erbeutung der Bergveste des Kaukasus durch Rußland zusahen; die ungeheueren und ohne Widerstand erlaubten Übergriffe dieser barbarischen Macht, deren Kopf zu St. Petersburg und deren Hand in jedem Kabinett von Europa, haben den Arbeiterklassen die Pflicht gelehrt, in die Geheimnisse der internationalen Politik einzudringen, die diplomatischen Akte ihrer respektiven Regierungen zu überwachen, ihnen wenn nötig entgegenzuwirken; wenn unfähig zuvorzukommen, sich zu vereinen in gleichzeitigen Denunziationen und die einfachen Gesetze der Moral und des Rechts, welche die Beziehungen von Privatpersonen regeln sollten, als die obersten Gesetze des Verkehrs von Nationen geltend zu machen.

Der Kampf für solch eine auswärtige Politik ist eingeschlossen im allgemeinen Kampf für die Emanzipation der Arbeiterklasse.

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!

Geschrieben zwischen dem 21. und 27. Oktober 1864.

Aus Der Social-Demokrat Nr.2 und 3 vom 21. und 30. Dezember 1864.

Der Internationalen Arbeiter-Assoziation wurde am 28. September 1864 in öffentlicher Versammlung in St. Martin’s Hall, Long Acre, in London gegründet.

Karl Marx u. Friedrich Engels: Werke, Bd.16, 1962, Berlin/DDR. S.5-13.

Karl Marx: Inauguraladresse d. IAA (1864) (marxists.org)


Schriften von Karl Marx, Online: https://www.marxists.org/deutsch/archiv/marx-engels/index.htm

Thesen über Feuerbach: Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt drauf an, sie zu verändern.

1

Der Hauptmangel alles bisherigen Materialismus (den Feuerbachschen mit eingerechnet) ist, daß der Gegenstand, die Wirklichkeit, Sinnlichkeit nur unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefaßt wird; nicht aber als sinnlich menschliche Tätigkeit, Praxis; nicht subjektiv. Daher die tätige Seite abstrakt im Gegensatz zu dem Materialismus von dem Idealismus – der natürlich die wirkliche, sinnliche Tätigkeit als solche nicht kennt – entwickelt Feuerbach will sinnliche – von den Gedankenobjekten wirklich unterschiedne Objekte: aber er faßt die menschliche Tätigkeit selbst nicht als gegenständliche Tätigkeit. Er betrachtet daher im Wesen des Christenthum nur das theoretische Verhalten als das echt menschliche, während die Praxis nur in ihrer schmutzig jüdischen Erscheinungsform gefaßt und fixiert wird. Er begreift daher nicht die Bedeutung der „revolutionären“, der „praktisch-kritischen“ Tätigkeit.

2

Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme – ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische Frage. in der Praxis muß der Mensch die Wahrheit, i.e. Wirklichkeit und Macht, Diesseitigkeit seines Denkens beweisen. Der Streit über die Wirklichkeit oder Nichtwirklichkeit des. Denkens – das von der Praxis isoliert ist – ist eine rein scholastische Frage.

3

Die materialistische Lehre von der Veränderung der Umstände und der Erziehung vergißt, daß die Umstände von den Menschen verändert und der Erzieher selbst erzogen werden muß. Sie muß daher die Gesellschaft in zwei Teile – von denen der eine über ihr erhaben ist – sondieren.

Das Zusammenfallen des Ändern[s] der Umstände und der menschlichen Tätigkeit oder Selbstveränderung kann nur als revolutionäre Praxis gefaßt und rationell verstanden werden.

4

Feuerbach geht von dem Faktum der religiösen Selbstentfremdung, der Verdopplung der Welt in eine religiöse und eine weltliche aus. Seine Arbeit besteht darin, die religiöse Welt in ihre weltliche Grundlage aufzulösen. Aber daß die weltliche Grundlage sich von sich selbst abhebt und sich ein selbständiges Reich in den Wolken fixiert, ist nur aus der Selbstzerrissenheit und Sichselbstwidersprechen dieser weltlichen Grundlage zu erklären. Diese selbst muß also in sich selbst sowohl in ihrem Widerspruch verstanden als praktisch revolutioniert werden. Also nachdem z.B. die irdische Familie als das Geheimnis der heiligen Familie entdeckt ist, muß nun erstere selbst theoretisch und praktisch vernichtet werden.

5

Feuerbach, mit dem abstrakten Denken nicht zufrieden, will die Anschauung; aber er faßt die Sinnlichkeit nicht als praktische menschlich-sinnliche Tätigkeit.

6

Feuerbach löst das religiöse Wesen in das menschliche Wesen auf. Aber das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen Individuum inwohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Feuerbach, der auf die Kritik dieses wirklichen Wesens nicht eingeht, ist daher gezwungen:

  1. von dem geschichtlichen Verlauf zu abstrahieren und das religiöse Gemüt für sich zu fixieren, und ein abstrakt – isoliert – menschliches Individuum vorauszusetzen.

  2. Das Wesen kann daher nur als „Gattung“, als innere, stumme, die vielen Individuen natürlich verbindende Allgemeinheit gefaßt werden.

7

Feuerbach sieht daher nicht, daß das „religiöse Gemüt“ selbst ein gesellschaftliches Produkt ist und daß das abstrakte Individuum, das er analysiert, einer bestimmten Gesellschaftsform angehört.

8

Alles gesellschaftliche Leben ist wesentlich praktisch. Alle Mysterien, welche die Theorie zum Mystizism[us] veranlassen, finden ihre rationelle Lösung in der menschlichen Praxis und in dem Begreifen dieser Praxis.

9

Das Höchste, wozu der anschauende Materialismus kommt, d.h. der Materialismus, der die Sinnlichkeit nicht als praktische Tätigkeit begreift, ist die Anschauung der einzelnen Individuen und der bürgerlichen Gesellschaft.

10

Der Standpunkt des alten Materialismus ist die bürgerliche Gesellschaft, der Standpunkt des neuen die menschliche Gesellschaft oder die gesellschaftliche Menschheit.

11

Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt drauf an, sie zu verändern.

https://www.marxists.org/deutsch/archiv/marx-engels/1845/thesen/index.htm




200 Jahre Karl Marx

"Was mich betrifft: Ich bin kein Marxist"

Wer war Karl Marx und wie aktuell sind seine Analysen und Theorien?

Am 5. Mai 1818 wurde Karl Marx in Trier geboren. Der Gesellschaftstheoretiker und Protagonist der Arbeiterbewegung ist weltweit einer der meistgelesenen Autoren. Wie kaum ein anderer hat er die Geschichte des 20. Jahrhunderts beeinflusst. Revolutionäre und Diktatoren haben sich auf ihn berufen, seine Thesen polarisieren bis heute. Wollte Karl Marx einer Vereinnahmung vorbeugen, als er sagte: "Was mich betrifft: Ich bin kein Marxist."? Wer war Karl Marx und wie aktuell sind seine Analysen und Theorien?

https://www.swr.de/geschichte/wer-war-karl-marx/-/id=13831100/did=21487042/nid=13831100/2xknp2/index.html







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