Weil jüdische Unternehmensführung Israels illegale Besatzung kritisiert, soll sie antisemitisch sein

Aktualisiert: Juli 22


Israel streitet um den Verkauf von Eiscrème Das amerikanische Unternehmen Ben & Jerry’s hat angekündigt, den Glaceverkauf in den besetzten Gebieten einzustellen. Die israelische Regierung warf der Firma daraufhin Antisemitismus vor und drohte mit schweren Konsequenzen. Mit der Entscheidung, künftig keine Glace mehr in den besetzten Gebieten zu verkaufen, hat Ben & Jerry’s den Zorn Israels auf sich gezogen. Ronen Zvulun / ReutersWutentbrannt tritt die israelische Wirtschaftsministerin Orna Barbivai an ihren Kühlschrank, nimmt einen Becher Eiscrème heraus und wirft ihn in den Abfallkübel. So ist es auf einem kurzen Video zu sehen, das Barbivai am Dienstag auf Twitter publiziert hat. Es ist eine politische Aktion mit fünf Ausrufezeichen. Denn bei dem Becher handelt es sich um ein Produkt des amerikanischen Glaceherstellers Ben & Jerry’s. Das Unternehmen hat den Zorn der politischen Klasse Israels auf sich gezogen, weil es seine Verkäufe im von Israel seit 1967 besetzten Westjordanland einstellen will. «Wir glauben, dass der Verkauf von Ben & Jerry’s in den besetzten palästinensischen Gebieten mit unseren Werten nicht vereinbar ist», heisst es in der Medienmitteilung. Die Entscheidung passt zu einer Firma, die sich in politische Debatten einmischt und dabei klar liberale und linke Positionen bezieht. Bei dem Beschluss geht es nicht um die Palästinenser, sondern in erster Linie um die mehr als 650 000 Siedler, die in den besetzten Gebieten leben. «Wirtschaftlicher Terrorismus». Der israelische Aussenminister Yair Lapid bezeichnete die Entscheidung als «schändliche Kapitulation vor dem Antisemitismus». Die Firma wurde von Jerry Greenfield und Ben Cohen 1978 in Vermont gegründet. Lange bevor dies en vogue war, setzten sich die beiden jüdischen Geschäftsmänner für soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und ähnliche Themen ein. Im Jahr 2000 verkauften sie das Unternehmen an den britischen Lebensmittelkonzern Unilever. Die Unternehmensführung von Ben & Jerry’s geniesst aber weiterhin grosse Autonomie in ihren Entscheidungen, und auch Greenfield und Cohen treten nach wie vor im Namen der Firma auf. Israel droht mit rechtlichen Schritten Die Siedlungen in den besetzten Gebieten sind nach internationalem Recht illegal. Palästinensische Vertreter und israelische Kritiker der Besetzung begrüssten daher den Schritt von Ben & Jerry’s. Der Boykott richte sich nicht gegen Israel, sondern gegen die Siedlungen, erklärte die Meretz-Abgeordnete Michal Rozin. Dies sei der Preis für die Landnahme und die Verwischung der grünen Linie, der Grenze von 1967. Ob der Schritt den Palästinensern nutzt, steht indes auf einem anderen Blatt. Denn die Empörungswelle in Israel verrät auch, wie gross der Rückhalt für die Siedlungspolitik ist.


https://www.nzz.ch/international/israel-regierung-empoert-ueber-verkaufsstop-von-ben-jerrys-ld.1636548


dazu auch:



Shulamit Aloni war eine israelische Politikerin, sie starb 2014. Sie gründete Bürgerrechtsbewegungen und war in mehreren Regierungen Bildungsministerin. Während der gesamten 1970er Jahre versuchte Aloni, einen Dialog mit den Palästinensern herzustellen, in der Hoffnung, eine dauerhafte Friedensregelung zu erreichen.


Nach der Unterzeichnung des Osloer Abkommens im Jahr 1993 drückte Aloni ihre Gefühle aus, dass die Abkommen ein positiver Wendepunkt von historischem Ausmaß waren. Nach dem von Baruch Goldstein verübten Massaker an 29 Muslimen in Hebron im Westjordanland am 25. Februar 1994 forderte Aloni die Vertreibung der jüdischen Siedler aus Hebron. Aloni war Vorstandsmitglied von Yesh Din, einer 2005 gegründeten Organisation, die sich für die Menschenrechte in den besetzten palästinensischen Gebieten einsetzt.


aus: https://en.wikipedia.org/wiki/Shulamit_Aloni

Zuckermann legt den Finger in einige offene Wunden. Er macht sichtbar, wo in Deutschland und in Israel der Anti-Antisemitismus-Diskurs ins Heuchlerische umschlägt. Er sät munter Sturm und wird gewiss Gegenwind ernten.


Israel und Deutschland verbindet eine „pathologische Beziehung“: Das schreibt Moshe Zuckermann in „Der allgegenwärtige Antisemit“. Trotz aller Einseitigkeit legt der israelische Soziologe mit seinem Buch den Finger auch in einige offenen Wunden.

Halten Sie Antisemitismus für eine eminente Gefahr? Dann werden Sie sich über das Buch „Der allgegenwärtige Antisemit“ furchtbar ärgern. Der Titel ist nämlich sarkastisch gemeint. Moshe Zuckermann interessiert sich in diesem Werk gar nicht für Antisemitismus. Umso mehr aber für die Instrumentalisierung des Antisemitismus-Vorwurfs durch deutsche „Anti-Antisemiten“, durch Juden in Deutschland und durch den Staat Israel.

Für den marxistisch geprägten Soziologen ist Israel ein Land, das im „Gegensatz zu jedweder humanen, aufgeklärten und friedlich ausgerichteten Gesellschaft steht.“ An den Palästinensern übe es „die Barbarei eines illegalen Okkupationsregimes“ aus. Gegenüber nicht-jüdischen Minderheiten herrsche Apartheid: Israel kultiviere Bedrohungsängste, obwohl es die mächtigste Regionalmacht sei, und könne gar nicht als echte Demokratie gelten – bekannte Anklagen, die Zuckermann mit Zorn vorträgt.


https://www.deutschlandfunkkultur.de/moshe-zuckermann-der-allgegenwaertige-antisemit-polemische.950.de.html?dram:article_id=427075





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