Gewalt breitet sich aus im weltgrößten Erdgasfeld in Mosambik von Aufständischen und der Armee

Es gibt Rubine, Gold, Holz. Vor der Küste befindet sich zudem eines der größten Gasfelder der Welt. Es verspricht ein Milliardengeschäft – von dem allerdings mehrheitlich ausländische Energiekonzerne profitieren werden: die französische Firma Total, die amerikanische ExxonMobil, die italienische Eni. Den Einheimischen wurden von den Energiekonzernen Arbeitsplätze versprochen, doch diese entstanden nie. Bauern, die Subsistenzwirtschaft betrieben, wurden enteignet, Fischer an der Küste wurden vertrieben. Auszüge eines Artikels der NZZ 2700 Menschen sind im Norden von Moçambique bereits getötet worden. Die Regierung versucht den Konflikt zu vertuschen Was in der Provinz Cabo Delgado genau vor sich geht, ist schwierig zu sagen. Moçambiques Regierung hat Journalisten, Forscher und Menschenrechtsaktivisten aus dem Konfliktgebiet fast komplett verbannt. Vor der Küste des südostafrikanischen Staates Moçambique liegt eines der grössten Erdgasvorkommen der Welt. Islamistische Aufständische gefährden nicht nur die Förderprojekte, sondern auch die Stabilität im südlichen Afrika. In Cabo Delgado haben Islamisten ein leichtes Spiel, junge Männer zu rekrutieren. Die mehrheitlich muslimische Provinz ist eine der ärmsten Gegenden von Moçambique, einem der ärmsten Länder der Welt. Viele Bewohner von Cabo Delgado können weder lesen noch schreiben und haben keine bezahlte Arbeit. Dabei ist die Provinz sehr reich an natürlichen Schätzen: Es gibt Rubine, Gold, Holz. Vor der Küste befindet sich zudem eines der grössten Gasfelder der Welt. Es verspricht ein Milliardengeschäft – von dem allerdings mehrheitlich ausländische Energiekonzerne profitieren werden: die französische Firma Total, die amerikanische ExxonMobil, die italienische Eni. Den Einheimischen wurden von den Energiekonzernen Arbeitsplätze versprochen, doch diese entstanden nie. Bauern, die Subsistenzwirtschaft betrieben, wurden enteignet, Fischer an der Küste wurden vertrieben. Moçambiques Regierung in Maputo hält daran fest, die Rebellen als ausländische Terroristen zu porträtieren. So sichert sie sich internationale Aufmerksamkeit und Unterstützung. Mit Erfolg: Das amerikanische Aussenministerium erachtet die Gruppe in Moçambique als IS-Ableger und setzte diese am 10. März auf die Liste ausländischer Terrororganisationen. John Godfrey, der Sonderbeauftragte der Globalen Koalition zur Bekämpfung des IS, sagte an einer Pressekonferenz Mitte März, dass die USA Soldaten in Moçambique ausbilden würden. Die eskalierende Gewalt in Cabo Delgado hat fast 700 000 Einwohner in die Flucht getrieben – in den Süden Moçambiques, auf nahe gelegene Inseln oder ins benachbarte Tansania. Sie leben bei Gastfamilien, in provisorischen Lagern oder verstecken sich in Wäldern entlang der Küste. Die Vertriebenen fürchten die Angreifer, aber auch die Soldaten und Polizisten, die sie eigentlich beschützen sollten. Im März 2021 erhob die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in einem Bericht schwere Vorwürfe: Die Armee und die Polizei hätten mutmassliche Kämpfer, die sich nicht mehr wehren konnten, gefoltert, getötet und verstümmelt sowie Zivilistinnen vergewaltigt. Amnesty erhebt auch schwere Vorwürfe gegen die Dyck Advisory Group, eine private südafrikanische Söldnertruppe, die 2020 von der mosambikanischen Polizei angeheuert wurde. Der lokale Journalist Estacio Valoi sagt: «Wir befinden uns an einem Punkt, an dem die Menschen ebenso Angst vor der mosambikanischen Armee wie vor den Rebellen haben. Sie wissen nicht, wem sie vertrauen können.» Journalisten geraten selber ins Visier der Behörden, auch Valoi wurde schon verhaftet. Das riskiert jeder Medienschaffende, der das Gespräch mit Einheimischen sucht. Der Radiojournalist Ibraimo Mbaruco verschwand im April 2020 spurlos. In einer letzten Textnachricht schrieb er, dass er von Soldaten umringt sei. Einer der wenigen, die regelmässig aus Moçambique berichteten, war der britische Journalist Tom Bowker. Nach sechs Jahren in Moçambique wurde er am 16. Februar wegen seiner Berichterstattung über den Konflikt in Cabo Delgado des Landes verwiesen. In den Monaten vor seiner Ausweisung war Bowker auf mehrere Posts bei Facebook und in anderen Netzwerken gestossen, in denen Propagandisten versucht hatten, ihn zu diffamieren. Auf Fragen zum Konflikt in Cabo Delgado erhielt Bowker meist keine Antwort von den Behörden. Um Berichte über mit Gewalt verbundene Angriffe zu verifizieren, kommunizierte Bowker stets mit lokalen Reporten und Informanten über verschlüsselte Nachrichten-Apps. Im Mai 2020 hatte Bowker mit Gleichgesinnten die Plattform «Cabo Ligado» lanciert. Dort werden alle Gewaltübergriffe, ob politisch motiviert oder gegen Zivilisten gerichtet, vermeldet. «Unsere Arbeit macht es für die Regierung sehr schwierig, zu vertuschen, was wirklich vor sich geht», sagt Bowker, der aus dem Exil in Frankreich weiter recherchiert. egierung will Korruption vertuschen Warum setzt die mosambikanische Regierung so viel daran, zu verschleiern, was in Cabo Delgado vor sich geht? Jasmine Oppermann, Afrika-Analystin bei der Nichtregierungsorganisation Acled, vermutet, dass Nachforschungen in Cabo Delgado unterbunden werden, um lokale Beamte zu schützen, die sich durch illegale Machenschaften wie den Drogenhandel bereichert hätten. Die NGO Transparency International zählt Moçambique zu den vierzig korruptesten Ländern der Welt. Seit das Land im Jahr 1975 unabhängig wurde, ist dieselbe Partei an der Macht. Die Regierung redet den Konflikt in der nördlichen Provinz auch aus einem zweiten Grund klein: Ziehen die internationalen Gaskonzerne ab, weil ihnen die Sicherheitslage zu gefährlich wird, entgehen der Regierung Milliardeneinnahmen. Der Wert der regionalen Erdgasvorkommen wird auf mehr als sechzig Milliarden Dollar geschätzt – das ist das Vierfache des Bruttoinlandprodukts von Moçambique im Jahr 2019. Viele Mitglieder der mosambikanischen Elite halten Anteile an der Gasindustrie der Cabo Delgado. Gasprojekte werden vorläufig eingestellt Die Furcht ist begründet: Beim Angriff vom 24. März auf die Hafenstadt Palma töteten die Aufständischen Dutzende Zivilisten, ausländische Beschäftigte und Soldaten. Das Afungi-Projekt des französischen Energiekonzerns Total liegt ganz in der Nähe. Es waren keine Angestellten von Total unter den Opfern. Bisher blieben direkte Attacken auf die Öl- und Gaskonzerne aus. «Den Aufständischen fehlen die nötigen Mittel, um die Sicherheitsvorkehrungen der Ölkonzerne überwinden zu können», sagt Oppermann. Laut der französischen Nachrichtenagentur AFP hat sich Total zur Evakuation ihrer Mitarbeiter entschieden. Die Bauarbeiten wurden eingestellt. Oppermann hält es jedoch für unwahrscheinlich, dass die Firma das Milliardenprojekt einstellt. Die bereits getätigten Investitionen seien zu gross, die Gewinnaussichten zu verlockend, als dass sie sich ganz zurückziehen würde. Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht Der Konflikt in Cabo Delgado bedroht aber nicht nur das derzeit grösste Gasprojekt in Afrika. Die Stabilität der ganzen Region ist gefährdet. Unabhängige Beobachter und Politiker fürchten, dass die Rebellen sich in den Nachbarländern Tansania und Südafrika ausbreiten könnten. https://www.nzz.ch/international/terror-in-mocambique-die-regierung-will-den-konflikt-vertuschen-ld.1607308

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