Fair for Future: Freiwillig reicht nicht! Händler verpflichten, nur noch faire Produkte anzubieten

Fair for Future – Fairer Handel als Zukunftskonzept?

11. August 2021 von Gerrit ter Horst

»Fair for Future«: In Anlehnung an das berühmte »Fridays for Future« brachten Katharina und Gerd Nickoleit dieses Jahr ihr Buch heraus, das sich die Situation rund um den fairen Handel anschaut, Positivbeispiele herausstellt, aber auch aufzeigt, welche Probleme es noch immer gibt.


Wir haben mit beiden ein kurzes Interview geführt, das ein wenig in die Themen des Buches einführen soll: Der Begriff »Fairer Handel« impliziert, dass es einen unfairen Handel gibt. Was macht unsere Welthandelsordnung unfair? Der sogenannte »freie« ungeregelte Welthandel. Dort werden Entscheidungen nicht nach Einhaltung von Menschenrechten oder Umweltschutz getroffen, sondern nach Profiterwartung.

Sehen Sie Bereiche, in denen in den letzten Jahren und Jahrzehnten Fortschritte gemacht wurden? Ja. Das Bewusstsein, dass unser luxuriöser Lebensstil nur auf Kosten der Umwelt und zu Lasten ärmerer Länder möglich ist. Käufer in Lebensmittel- und Textilgeschäften zeigen zunehmend die Bereitschaft, für manche Produkte einen reelleren, also den tatsächlichen Preis zu zahlen. Zu diesen wahren Kosten gehören auch ein existenzsicherndes Einkommen der Produzenten und eine ressourcen- und umweltschonende Produktion.

Eignet sich das Konzept des »Fairen Handels« als Gesamtkonzept für unsere Art des Wirtschaftens? Nein. Die freiwillige Entscheidung einiger Konsumenten, den wahren Preis eines Produktes zu zahlen, macht den Handel nur zu einem kleinen Teil gerechter. Eine begrenzte Anzahl von Bauern erhält für seinen Kaffee bessere als die Marktpreise und manche Näherin einen besseren Lohn, als den, den internationalen Textilkonzerne bezahlen. Er verändert aber nicht den Handel. Er verlagert die Kosten auf einzelne Käufer – ohne auch den Handel in die Pflicht zu nehmen. Trotzdem war die Arbeit des »Fairen Handels« in den letzten 50 Jahren überaus erfolgreich. Die Arbeit der Fair-Handels-Organisationen hat gezeigt, dass die Umsetzung der Fair- Handels-Prinzipien machbar ist.


Der Faire Handel hat der Regierung als Beispiel für das Lieferkettengesetz gedient, das jetzt im Juni nach zähem Widerstand durch die Industrielobby verabschiedet wurde. Für die Endverbraucher:in ist es oftmals undurchsichtig, welche Produkte nun wirklich unter fairen Bedingungen produziert und gehandelt wurden. Können Sie uns sagen, worauf man im Supermarkt achten muss? Der Begriff »Fair« ist nicht geschützt. Jede Firma hat für sich die Möglichkeit, für ihre Produkte eigene »faire« Kriterien festzulegen – ohne Nachweise für die tatsächliche Umsetzung dieser Kriterien erbringen zu müssen. Endverbraucher:innen sollten im Supermarkt darauf achten, dass die Produkte ein unabhängiges Siegel tragen oder die Produkte von einer Fairhandels-Organisation kommen.

Vor einiger Zeit wurde das Lieferkettengesetz beschlossen. Können Sie uns kurz erklären, worum es sich dabei handelt? Sehen Sie darin einen Fortschritt für Produktionsbedingungen oder ist es ein zahnloses Gesetz? Beim Lieferkettengesetz muss der Händler garantieren, dass die Waren, die er in den Handel bringt, in der ganzen Kette ohne Menschenrechtsverletzungen und unter Einhaltung von Mindestkriterien hergestellt wurden. Dieses Gesetz ist stark verwässert worden und gilt erst einmal nur für Unternehmen mit einer Größe von über 3000 Mitarbeitern. Es ist ein Anfang, aber hier muss nachgebessert werden. Da ist noch viel zu tun.

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