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Dr. Christoph Radke, Notar aus Gera: Bericht der FAZ zur Friedensdemo kommt einer Lüge gleich

Friedensdemo – Und wie jämmerlich (fast) alle Medien reagieren: Einige grauenhafte Beispiele aus dem deutschen (Friedhofs-)blätterwald


Dr. Christoph Radke, ein Notar aus Gera, war am 25. Februar bei der Demonstration in Berlin und staunte über den Bericht der FAZ vom 27. Februar. In einem Leserbrief hat er sich gegenüber der FAZ entsprechend kritisch geäußert.

Vorschlag: Überlegen Sie, wer in Ihrem Umfeld FAZ liest und sprechen Sie diese Personen bitte dann direkt mit dem Leserbrief von Dr. Christoph Radke an. Sein Leserbrief müsste auch bei eingefleischten FAZ-Lesern Zweifel aufkommen lassen.


Hier ist sein Leserbrief:

28. Februar 2023 Dr. iur. Christoph Radke

An Frankfurter Allgemeine 60267 Frankfurt am Main

Leserbrief zu:

FAZ vom 27. Februar 2023, Seite 2 / Krieg und Kompromisse von Friederike Haupt

Kundgebung von Alice Schwarzer und Sarah Wagenknecht


Sehr geehrte Herren Herausgeber!


Der Bericht von Friederike Haupt kommt einer Lüge gleich. Ich selbst habe an der Kundgebung vor dem Brandenburger Tor von Anfang bis Ende teilgenommen, etwa 50 m von der Tribüne entfernt. Ihre Autorin Friederike Haupt kann nicht dabei gewesen sein, da sie den Kern der Veranstaltung und die Atmosphäre völlig verzeichnet. Auf der Kundgebung sprachen – gleichberechtigt neben Frau Wagenknecht und Frau Schwarzer – der Politologe Hans-Peter Waldrich, der US-Amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Professor Jeffrey Sachs (Columbia University / New York) sowie der ehemalige Brigadegeneral und Berater von Kanzlerin Merkel, Erich Vad; Vad ist CDU-Mitglied. Alle 3 legten in ruhiger Weise ihre substantiiert begründeten Positionen dar. Das Publikum war zahlreich; es herrschte aufs Ganze betrachtet eine freundliche und angenehme Atmosphäre. Rechtsextreme Äußerungen habe ich nicht wahrgenommen. Liest man hingegen Frau Haupt, war es eine Veranstaltung allein von Frau Schwarzer und Frau Wagenknecht zur Befriedigung zweifelhafter politischer Interessen mit äußerst schwachen Argumenten, getragen von einem überwiegend tumben und verwirrten (stotternden!) Publikum. Das ist eine freche und groteske Verzeichnung der Realität. Ich bin 56 Jahre, Notar im Hauptberuf, habe am von Jesuiten getragenen CanisiusKolleg in Westberlin das Abitur abgelegt und in Würzburg promoviert: Die Dummheit dieser Berichterstattung beleidigt meinen Verstand; ich halte sie einer Tageszeitung mit geistigem Anspruch für unwürdig. Mit solchen Artikeln zerstören Sie das Vertrauen in eine unabhängige Presse.

Mit freundlichen Grüßen Dr. iur. Christoph Radke


P.S.: Ich vermute, dass Sie diesen Leserbrief – jedenfalls ungekürzt – nicht veröffentlichen werden, habe ihn aber dennoch geschrieben, weil ich hoffe, dass wenigstens einer Ihrer Herausgeber in der Lage sein wird, den Ernst der Lage zu begreifen, in die Sie durch solche Berichterstattung Ihre Zeitung und denjenigen Leser bringen, der die FAZ nicht nur liest, weil sie sich auf dem Schreibtisch gut macht. Ich habe keinerlei Interesse an der Herabwürdigung der Presse oder von Journalisten; ich bin allerdings der Meinung, dass Auseinandersetzung in einer Demokratie nur beruhen kann auf einer freien Presse, die ihre Aufgabe auch tatsächlich erfüllt, nämlich den Leser zunächst unvoreingenommen zu unterrichten, damit er sich selbst eine begründete Meinung bilden kann. Presse wird sonst zur Propaganda und damit für den denkenden Leser überflüssig.


Friedensdemo – Und wie jämmerlich die Medien reagieren

27. Februar 2023 um 9:11Ein Artikel von: Tobias Riegel

Am Wochenende haben zahlreiche Menschen gegen die Kriegspolitik der Bundesregierung demonstriert. Bereits vor der Kundgebung schlug diesen Bürgern vonseiten zahlreicher großer Medien viel Feindschaft entgegen – diese Tendenz ist ungebrochen. Hier stellen wir einige besonders fragwürdige journalistische Reaktionen auf die Kundgebung in Berlin vor. Ein Kommentar von Tobias Riegel.



Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Audio-Player https://www.nachdenkseiten.de/?powerpress_pinw=94355-podcast

Pfeiltasten Hoch/Runter benutzen, um die Lautstärke zu regeln. Podcast: Play in new window | Download Die Masse an unseriösen Berichten und Kommentaren zur Friedensdemo vom Samstag in Berlin ist überwältigend – hier kann nur eine subjektive Auswahl angesprochen werden. In vielen Berichten wird versucht, die Teilnehmerzahl der Friedensdemo vom Samstag in Berlin kleinzuschreiben: Angeblich hätten sich nur 13.000 Bürger im Schneeregen vorm Brandenburger Tor versammelt. Nach Darstellung der Berliner Zeitung war es ein Vielfaches, nämlich fast 50.000 Teilnehmer. In dem Medium findet sich auch ein Kommentar von Alexander King, einem Mitinitiator der Kundgebung. Viele große Medien argumentieren aber mit der geringeren Teilnehmerzahl wie die „Zeit“ unter dem Titel „Scheinriesinnen“. Beim Versuch, die Demo im Vorfeld zu diskreditieren, war die „Warnung“ vor rechtsextremen Teilnehmern ein zentrales Element. Darum ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass „die Polizei nach Angaben eines Sprechers keine Kenntnisse von rechtsextremen Teilnehmern vor Ort“ hat, wie Medien berichten. Von vielen Medien wurde diese Feststellung aber ignoriert, um am selber konstruierten Bild der „Querfront“ festhalten zu können. Einen besonders infamen Beitrag hat Markus Decker für das sogenannte „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND) verfasst – unter dem Titel „Warum Sahra Wagenknecht eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland ist“ behauptet er zur Person Sahra Wagenknecht: „Es wäre jedenfalls naiv zu glauben, es ginge der selbst ernannten Friedensfreundin um Frieden. Nein, Wagenknecht, die die Grenzen zwischen Diktatur und Demokratie nicht erst seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine systematisch verwischt, geht es nicht um Frieden. Es geht ihr um die Zerstörung der Demokratie. Wagenknecht ist ihre in Deutschland wohl einflussreichste Feindin.“ Erschwerend kommt im Fall RND hinzu, dass diese Artikel teils von zahlreichen weiteren Medien übernommen und nachgedruckt werden. Eine echte Falschbehauptung ist im Artikel „Denn sie wissen, was sie tun“ bei T-Online zu finden. Dort behauptet der Autor Tobias Eßer in einem auch an anderen Stellen höchst fragwürdigen Artikel einfach mal: „Von dem postulierten Frieden war auf der Kundgebung allerdings wenig bis gar nichts zu spüren. Stattdessen dominierten russische Fahnen, Armeejacken mit russischen Hoheitszeichen und Rechtsextreme das Bild.“ Bei der heutigen Presseschau des Deutschlandfunks ist die Feindschaft gegen die Friedensdemo in fast allen zitierten Artikeln dominant. Beispielsweise die „Mitteldeutsche Zeitung“ ignoriert wie andere Medien den Befund der Polizei, die keine rechtsextreme Schlagseite feststellen konnte, und behauptet: „Bei Sahra Wagenknechts ‚Friedenskundgebung‘ in Berlin standen sie Seit an Seit: friedensbewegte Linke, AfD-Politiker und rechtsextreme Putin-Propagandisten. Die Abgeordnete sieht die Protestaktion als Beginn einer neuen Friedensbewegung. Nichts daran ist neu. Schon 2014 ging eine ‚neue Friedensbewegung‘ auf die Straße, die sich gegen einen Westkurs der Ukraine und die NATO stellte – und stattdessen an die Seite Putins. Neu war da nur der offene Schulterschluss linker Politiker und Bewegungen mit rechten Verschwörungsideologen und Rechtsextremen auf der Straße.“ Ein „Spiegel-Gespräch, das nie erschien“ bezüglich der Friedensdemo hat „Emma“ unter diesem Link veröffentlicht. Eine Sammlung an „männlichem Hass auf weibliche Friedensbemühungen“ hat „Makroskop“ anlässlich der Berichterstattung über Wagenknecht und Schwarzer in diesem Artikel zusammengestellt: „Florian Harms schreibt in t-online über „Profilneurose“, „Wolkenkuckucksheim“, „wohlfeiler Populismus“ und findet, das sei „kaum noch zu ertragen“. Henryk M. Broder nennt in der Welt den Anstoß „Zynismus“. Malte Lehming entrüstet sich im Tagesspiegel über „moralische Verkommenheit.“ In ähnlicher Weise sieht Carsten Fiedler im Kölner Stadtanzeiger das „Ende von Recht und Moral“. Martin Knobbe diagnostiziert im Spiegel „Überheblichkeit“ und Roland Nebbes findet ebenfalls im Spiegel, das Manifest lese sich „als wäre es vom Pressesprecher des Kremls persönlich verfasst worden“. Gabor Steingart wittert im Focus in schönster Analogie zum Weltkrieg I den „Dolchstoß“ und das auch noch „vom deutschen Sofa“ aus. Reinhard Feser sieht in der FAZ nur eine „Propaganda-Hilfe für Putin“. Bei Maischberger nennt ein Carlo Masala den Aufruf zu Friedensverhandlungen „Ausdruck eines übelsten Nationalpazifismus“. Jan Feddersen bezeichnet in der taz die Initiatorinnen ebenfalls als „amoralisch“ und findet, prominente Unterstützer wie die Theologin Margot Käßmann oder der Ungleichheitsforscher Christoph Butterwegge „hatten in puncto ‚noch ganz bei Trost‘ schon zuvor nicht mehr alles beisammen“. Der Politologe Herfried Münkler nutzt im Kölner Stadtanzeiger die ganze Klaviatur der Diffamierung: „gewissenlos“, „verlogen“, „Komplizenschaft mit dem Aggressor“. „kenntnisloses Dahergerede“. Die Diffamierung des wichtigen Vorstoßes von Wagenknecht und Schwarzer im Vorfeld der Demo haben die NachDenkSeiten in vielen Artikeln beschrieben. Dieser Artikel ist nur eine erste und subjektive Darstellung des Presseechos auf die Friedensdemo – unsere Leser haben sicher noch weitere Beispiele für diese Art der Berichterstattung entdeckt.


siehe auch Manifest für Frieden: Und alle haben Angst

Demo Nach der Manifest-für-Frieden-Kundgebung Sahra Wagenknechts und Alice Schwarzers beschäftigt viele Medien der Querfront-Vorwurf. Unterzeichner Christoph Butterwegge hat auf diesen geantwortet




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