20 Jahre hat der Westen Afghanistan geplündert und verwüstet: Jetzt zerstört er es mit Sanktionen

Aktualisiert: 4. Jan.

Afghanistan kämpft ums Überleben: Die Afghanen kämpfen um ihr Selbstbestimmungsrecht, zuerst gegen die Herrscher Großbritannien, dann der Sowjetunion, seither gegen die USA und ihre NATO-Verbündeten, wie Deutschland. Jetzt ist die Stimme der Menschen gefragt, die für das Menschenrecht auf Leben eintreten, gefragt: Es gibt zu den Taliban keine politische Alternative und die Menschen in Afghanistan hungern und sind vom Tod bedroht: Sollten wir da nicht fordern, dass sie Sanktionen aufgehoben werden, afghanische Gelder freigegeben werden, Hilfe und Entschädigung für die westlichen Massaker geleistet werden? Was meint Ihr?

Fritz Edlinger aus Wien. Herausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift International: "Ich führe dort ein Gespräch mit unserem Afghanistanexperten Matin Baraki über die katastrophale Situation am Hindukusch. Bei aller - durchaus berechtigten - Kritik an manchen Maßnahmen der Taliban vertritt er die Meinung, dass es aktuell absolut keine politische Alternative zu diesen gebe und verweist auch darauf, dass die primäre Verantwortung für die katastrophale Versorgungslage in Afghanistan bei den USA und ihren Alliierten liege. Diese haben - übrigens gemeinsam mit ihren afghanischen Verbündeten - in der vergangenen 20 Jahren das Land weitgehend ausgeplündert und kaum nennenswerte Beiträge zu einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung geleistet. Die seit dem Rückzug von den USA und ihren westlichen Verbündeten verhängten lückenlosen Sanktionen stellen für Baraki einen wirtschaftlichen Krieg gegen das afghanische Volk dar. Trotz aller Wenn und Aber stehe der reine Überlebenskampf im Vordergrund, alles andere sei dem unterzuordnen."


Ein verstörendes Gespräch mit jemanden, der genau weiß, wovon er spricht.

Fritz Edlinger

Herausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift International

POKERN UM AFGHANISTAN


Das „Great Game“ um das postamerikanische Afghanistan hat bereits begonnen. Nachbarn und Regionalmächte versuchen, die neuen geo­politischen Realitäten zu ihren Gunsten zu nutzen. Um die Taliban werben sie mehr oder weniger offensiv, sie alle eint die Angst vor einem Erstarken des Terrorismus.

Nach dem Rückzug der USA, dem Sieg der Taliban und der Wiedererrichtung des Islamischen Emirats Afghanistan verschärft sich die humanitäre Krise für die breite Bevölkerung, die bereits durch die 40 Jahre währenden bewaffneten Auseinandersetzungen ausgelaugt ist. Zugleich zeichnet sich eine neue Bedrohung ab, die vom Islamischen Staat Khorasan (IS-K), dem regionalen Ableger des IS ausgeht.

Die Großmächte sind offensichtlich noch damit beschäftigt, sich auf die neuen geopolitischen Verhältnisse in der Region einzustellen. Bisher wurde die Taliban-Regierung noch von keinem Staat der Welt anerkannt, auch nicht von den Großmächten der Re­gion, China und Indien.

Pokern um Afghanistan (monde-diplomatique.de)




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